Was lange währt … Review Niwalker MM18III

Lange hat die Fangemeinde auf diese Lampe warten müssen. Schon lange angekündigt, wurde der Veröffentlichungstermin immer wieder verschoben. Nun ist die Lampe da; allerdings nur in einer sehr kleinen Auflage. Kann sie die hoch gesteckten Erwartungen erfüllen?

Gefertigt wurden von Niwalker weltweit nur 300 Stück dieser Ausnahmelampe. Ob es weitere Chargen geben wird, ist fraglich. Niwalker begründet dies mit einem komplexen und aufwändigen Fertigungsprozess, der eine Massenfertigung nicht möglich mache.

Leistungsdaten

LEDs:2* CREE XHP70, kaltweiß
2* CREE XHP35 Hi, neutralweiß
Max. Leistung:12000 Lumen (Herstellerangabe, nach ANSI/NEMA FL1 Standard)
Leuchtweite:800 Meter nach ANSI/NEMA FL1 Norm
Wasserdicht:IPX7 (Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen)
Stoßfest:1 Meter Fallhöhe
Stromversorgung:4* LiIO-Akkus im 18650 Format; vorzugsweise IMR-Akkus
Maße:177.5mm (Länge)
76mm (Durchmesser am Lampenkopf)
56.5mm (Durchmesser Akkurohr)
Gewicht:700g ohne Akkus

Die Angaben der einzelnen Helligkeitsstufen ist etwas komplizierter, da es sich ja um zwei LED-Gruppen handelt, die unabhängig voneinander gesteuert werden können. Dies sind die Herstellerangaben zu den einzelnen Stufen:

StufeXHP35Hi *2XHP70*2XHP35Hi*2 + XHP70*2
L122 Lumen (103 Stunden)45 Lumen (310 Stunden)68 Lumen (103 Stunden)
L2360 Lumen (10 Stunden)470 Lumen (31 Stunden)820 Lumen (7.5 Stunden)
L3720 Lumen (4.5 Stunden)920 Lumen (7.5 Stunden)1600 Lumen (3 Stunden)
L41300 Lumen (2 Stunden)1820 Lumen (2.5 Stunden)3100 Lumen (1 Stunde 10 Minuten)
L51800 Lumen (1 Stunde)2500 Lumen (1 Stunde)4280 Lumen (1 Stunde)
L6 (Turbo)4300 Lumen (1 Stunde)7500 Lumen (1 Stunde)12000 Lumen (1 Stunde)

Der Hersteller spricht außerdem von „270000 Lux für die beiden XHP70 LEDs“. Wie ich schon bei den Beamshots zu der Lampe schrieb, stimmt dies natürlich nicht; da hat sich wohl eine „0“ zuviel eingeschlichen. Bei den beiden XHP70 LEDs handelt es sich ja um die Fluter-LEDs (und die Reichweite der Lampe kommt primär von den beiden XHP35 Hi Thrower-LEDs). Ich selbst habe ca. 161000 Lux für alle LEDs zusammen (Thrower- und Fluter-LEDs kombiniert) gemessen, was einer Reichweite nach ANSI von 800 Metern entspricht. Die vom Hersteller angegebenen 800 Meter sind also korrekt.

Seit dem Niederschreiben der einzelnen Helligkeitsstufen vom Hersteller bis zur finalen Lampe haben sich anscheinend auch noch ein paar Änderungen ergeben. In meinem (zugegebenermaßen sehr laienhaften) Deckenbounce-Test bin ich für die einzelnen Gesamt-Leuchtstufen (alle LEDs zusammen) auf folgende Helligkeiten gekommen:

StufeHerstellerangabeMeine Schätzung
L168 Lumen15 Lumen
L2820 Lumen450 Lumen
L31600 Lumen1600 Lumen
L43100 Lumen3100 Lumen
L54280 Lumen6000 Lumen
L6 (Turbo)12000 Lumen12000 Lumen

Die Herstellerdaten für L3, L4 und L6 (Turbo) kann ich nachvollziehen (die maximalen 12000 Lumen sind absolut glaubhaft). Geändert haben sich anscheinend noch die Helligkeitsstufen L1 und L2 (diese sind, so glaube ich, niedriger als angegeben), sowie die dauerbetriebsfeste Stufe L5 – diese messe ich eher mit 6000+ Lumen.

Damit finde ich die realen Abstufungen sogar besser als die Herstellerangaben. Die Lampe hat auf der niedrigsten Leuchtstufe ein sehr schönes Low, und die zweithellste, dauerbetriebsfeste Stufe mit 6000 Lumen finde ich besser gewählt als die (wohl ursprünglich gedachten) 4280 Lumen.

Regelung

Die Turbo-Stufe mit 12000 Lumen unterliegt einer timergesteuerten Regelung. Nach exakt 60 Sekunden auf Turbo schaltet die Lampe automatisch zurück auf die Stufe L5 mit 6000 Lumen. Diese 6000 Lumen kann die Lampe dauerhaft und relativ konstant (mit nur geringem und nicht wahrnehmbaren Helligkeitsverlust über die Zeit) für ca. 1 Stunde halten.

Verpackung und Lieferumfang

Geliefert wird das Lampenset in einer schick gemachten Nylon-Transporttasche mit Klettverschluss.

Darin befindet sich folgender Lieferumfang:

  • die Lampe
  • ein anschraubbarer Tragegriff und Inbus-Schlüssel zum Festschrauben desselben
  • Lanyard
  • ein Ersatz-O-Ring
  • ein Micro-USB-Ladekabel
  • ein USB-Steckernetzteil für Eingangsspannungen von 100-240V
  • Eine Bedienunganleitung auf Englisch und (soweit man die Lampe beim deutschen Importeur gekauft hat) in Deutsch.

Mein Exemplar stammt vom Importeur (msitc-shop); daher ist bei mir eine deutsche Bedienungsanleitung dabei.

Die Akkus (nicht im Lieferumfang enthalten) sind somit direkt in der Lampe über deren USB-Anschluss ladbar. Hier habe ich jedoch gleich einen Kritikpunkt: Ich hatte zunächst versucht, die Lampe via USB an meinem PC aufzuladen. Dies funktioniert jedoch nicht. Auch mit meinen hier herumliegenden USB-Steckernetzteilen war ein Aufladen der Akkus in der Lampe nicht möglich (die Ladefunktion springt nicht an). Lediglich mit dem mitgelieferten Steckernetzteil funktioniert die Ladefunktion!

Ein genauerer Blick auf die Verschaltung der Akkus in der Lampe, und auf das Steckernetzteil lieferte die Erklärung: Die Akkus sind in der Lampe seriell miteinander verbunden. In der Lampe herrscht also eine maximale Spannung (mit vollen Akkus) von 16,8V. Das mitgelieferte Steckernetzteil hat demzufolge – trotz USB-Ausgang – eine Ausgangsspannung von 24V (!), und nur damit lässt sich die Lampe laden.

Gebräuchlich bei USB-Ausgängen ist jedoch 5V. Dies ist auch die Spannung, die an den USB-Ports eines jeden PCs anliegt.

Nun, mir ist klar, dass man mit anliegenden 5V keinen Akkublock von 16,8V laden könnte (die Ladespannung muss ja geringfügig höher sein als die Maximalspannung des Akkublocks; ansonsten würde ja kein Strom fließen, oder nur in die falsche Richtung). Vielleicht sehe ich das etwas zu kritisch, aber ich finde bei einer Ladespannung von 24V die Auswahl des Micro-USB-Formats falsch. Hier hätte sich Niwalker besser für einen Hohlstecker entscheiden sollen, und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Obwohl das Steckernetzteil wie ein USB-Netzteil aussieht, liegt doch eine viel höhere Spannung an. Nicht auszudenken, wenn sich jemand dieses Netzteil schnappt und versucht, damit sein Smartphone o.ä. aufzuladen.
  2. Der Vorteil eines USB-Ladeanschlusses liegt ja darin begründet, dass überall USB-Kabel und -Anschlüsse zum Laden vorhanden sind. Dies ist aber in diesem Fall nicht gegeben, da man trotzdem zwingend das mitgelieferte Steckernetzteil benötigt. Der Vorteil der breiten Verfügbarkeit von USB-Anschlussmöglichkeiten ist somit nicht gegeben.

Alleine um Verwechslungen zu vermeiden, würde ich mir bei diesem Steckernetzteil eigentlich einen Hohlstecker wünschen.

That said, das Laden der Akkus in der Lampe funktioniert mit dem mitgelieferten Steckernetzteil sehr gut. Die vier Akkus werden mit 1A Ladestrom geladen; damit geht das Laden der 4 Akkus in der Lampe genauso schnell wie in einem externen Vierfach-Ladegerät mit 4*1A. Nach Beendigung des Ladevorgangs haben die Akkus bei mir eine Leerlaufspannung von 4,17V, also alles im grünen Bereich.

Blick auf die Lampe

Ich muss zugeben, ulkig (gut, nennen wir es lieber „ungewöhnlich“) sieht sie ja aus, die Lampe, mit ihrem massiven und schweren, rechteckigen Block um den Lampenkopf herum. Dies dient wahrscheinlich primär der Hitzeableitung.

Die beleuchteten Schalter.

Bei eingeschalteter Lampe, sowie beim Aufladen, leuchten die Kontroll-LEDs. Während des Ladevorgangs leuchten sie rot; ist der Ladevorgang beendet, schaltet die Anzeige um auf grün.

Auf der Rückseite gegenüber den Einschaltern liegt die Gummi-Abdeckung der geräumigen Ladeluke:

Neben dem Micro-USB-Ladeanschluss befindet sich dort auch ein 5V USB-Ausgang, damit man die Lampe auch als Powerbank nutzen kann, um z.B. das Smartphone aufzuladen.

Das Heck der Lampe:

Der Reflektor mit den LEDs:

Der Akkukäfig ist extrem eng bemessen. Geschützte Akkus passen in diesen Käfig eher nicht hinein (und wenn, bekäme man sie wahrscheinlich nicht mehr heraus). Im Grunde reduzieren sich die möglichen Akkus damit auf ungeschützte, vorzugsweise Flat-Top, Akkus. Die Akkus sollten auch eine hohe Stromlieferfähigkeit aufweisen, da die Lampe (gemäß meiner eigenen Schätz-Messung) auf Turbo ca. 8,6A aus den Akkus zieht.

Damit empfehle ich als passende Energielieferanten IMR-Akkus mit einer Kapazität zwischen 3000 und 3600mAh; also die „üblichen Verdächtigen“: Shockli IMRs mit 3000mAh oder 3100mAh, Sanyo NCR18650GA, LG INR18650HG2, Samsung 30Q, Sony VTC5 oder VTC6.

Tailstand

Den Tailstand beherrscht die Lampe perfekt. Auf den Wohnzimmertisch gestellt, funktioniert sie wunderbar als Deckenfluter.

Bedienung

Die beiden LED-Gruppen können mit den beiden elektronischen Buttons komplett getrennt voneinander gesteuert werden. Der obere Button ist für die Thrower (XHP 35 Hi)-LEDs, und der untere Button für die Fluter (XHP70)-LEDs zuständig.

Durch Drücken und gedrückt halten eines (oder beider) Buttons aktiviert man den Moment-Turbo: die Lampe liefert so lange Licht auf höchster Leistung, bis man den Button wieder loslässt. Lässt man den Button los und betätigt ihn innerhalb von 3 Sekunden erneut, rastet der Turbo-Modus dauerhaft ein. Man kann den/die Buttons dann wieder loslassen, und der Turbo bleibt aktiviert (bis man die Lampe wieder ausschaltet).

Während die Lampe eingeschaltet ist, leuchten um die Buttons herum Status-LEDs auf. Ist noch ausreichend Spannung vorhanden, leuchten diese LEDs grün. Geht die Akkuspannung zu neige, schalten diese Status-LEDs um auf rot (und auch die Helligkeit der Lampe lässt sichtbar nach). Bei einer Gesamt-Laufzeit von einer Stunde auf der 6000-Lumen-Stufe schalteten bei mir die LEDs nach 53 Minuten um von grün auf rot. Das Problem des Vorgängers, der MM18II, dass diese Kontrollanzeige viel zu früh auf rot umschaltete (teilweise schon nach 5 Minuten mit vollen Akkus), ist bei der MM18III also behoben.

Mit einem einfachen Druck auf den/die Buttons schaltet man die Lampe wieder aus.

Beim Vorgänger, der MM18II, blinkten diese Kontroll-LEDs im Bereitschaftsmodus der Lampe außerdem in Sekundenabständen auf. Dies ist bei der MM18III nicht mehr der Fall (die Lampe bleibt im ausgeschalteten Zustand, auch im Bereitschaftsmodus, dunkel). Dies sollte den Stromverbrauch im Bereitschaftsmodus reduzieren (Niwalker empfiehlt trotzdem, die Lampe bei Nichtgebrauch in den elektronischen Lockout zu versetzen). Nachteil ist, man findet die Lampe im Dunkeln nicht mehr so gut. 🙂

Die übrigen Helligkeitsmodi (L1 bis L5) erreicht man aus dem ausgeschalteten Zustand heraus durch kurzes Antippen der Buttons. Dabei hat die Lampe Mode Memory – sie schaltet sich in der zuletzt verwendeten Helligkeit wieder ein. Ist die Lampe an, wechselt man durch Gedrückthalten der Buttons die Helligkeitsstufen durch. Schaltreihenfolge ist dabei von Low nach High.

Die Helligkeiten der beiden LED-Gruppen können dabei völlig unabhängig voneinander eingestellt werden.

Durch einen schnellen Dreifach-Klick aktiviert und deaktiviert man den elektronischen Lockout. Ein Doppelklick aus dem ausgeschalteten Zustand heraus aktiviert Strobe.

Soweit hat sich die Bedienung im Vergleich zum Vorgänger, der MM18II, nicht geändert. Es gibt jedoch eine (für mich) wesentliche Verschlechterung: Bei der MM18II konnte man aus den eingeschalteten niedrigeren Leuchtmodi heraus durch einen Doppelklick in den Turbo-Modus wechseln. Dies funktioniert bei der MM18III nicht mehr. Statt dessen aktiviert ein Doppelklick im eingeschalteten Zustand den SOS-Modus. Zum Wechseln zwischen den normalen Helligkeitsmodi und dem Turbo-Modus (und in die andere Richtung) muss man die Lampe also aus-, und erneut einschalten. Es ist mir unverständlich, warum Niwalker dies so geändert hat.

PWM

PWM kann ich bei keiner Leuchtstufe ausmachen. Die Lampe ist absolut flimmerfrei.

White-Wall Shot

Die Fluter-LEDs:

Die Thrower-LEDs:

An der weißen Wand sieht das Lichtbild der Thrower-LEDs, bedingt durch das Reflektor-Design, etwas eigentümlich aus. Draußen bei der echten Anwendung hat es mich bisher jedoch nicht gestört.

Alle LEDs zusammen:

Wegrollschutz

Durch die kantige Form am Lampenkopf hat die Lampe einen geringfügigen Wegrollschutz, sofern die Unterlage nicht allzu schräg ist.

Die Lampe in der Hand

Die Lampe liegt gut in der Hand, und ist noch ausreichend kompakt, dass man sie in einer (geräumigen) Jackentasche verstauen kann. Allerdings ist die Lampe kein Leichtgewicht: mit einem Betriebsgewicht von knapp 900 Gramm zerrt die Lampe doch ganz gut am Arm. Die Lampe ist erheblich schwerer als sie aussieht; sie ist schwerer als (beispielsweise) eine Fenix TK75. Der außergewöhnlich massive Körper der MM18III ist zwar positiv für eine gute Wärmeableitung der Lampe, „rächt“ sich jedoch eben im Gewicht.

Verglichen mit …

Hier ist ein Größenvergleich mit den Lampen, die ich auch bei dem Beamshot-Vergleich herangezogen habe.

Dies sind von links nach rechts: Fenix TK75 2018, Niwalker MM18III, Imalent DT70, Olight X7R.

Fazit

Obwohl die Lampe so lange auf sich warten ließ, wirkt sie auf mich in einigen Punkten leider immer noch unausgereift. Selbst als großer Fan der Marke Niwalker kann ich bei aller Begeisterung für die MM18III doch einige Kritikpunkte nicht verschweigen:

  • Flüchtigkeitsfehler in den Luxangaben der englischen Spezifikationen (wirkt einfach schlampig)
  • Rückschritt in der Bedienung ggü. der MM18II
  • Akkukäfig für meine Begriffe zu eng dimensioniert
  • keine Abschaltung bei Akkuende
  • Wahl des USB-Formats bei der Ladevorrichtung

Trotz obiger Kritikpunkte „ertappe“ ich mich dabei, dass ich die Lampe abends dabei habe, während andere Lampen zu Hause bleiben. Die Lichtleistung (Reichweite, Helligkeit, Lichtfarbe und Lichtbild) „stimmt“ für mich einfach. Die Lampe ist der Inbegriff der eierlegenden Wollmilchsau. Es gibt Lampen die kleiner sind, mehr Lumen haben, oder eine höhere Reichweite haben – aber eben nicht alles zusammen in einer Lampe. In einer Welt, in der es „Dosenfluter“ gibt, die zwar mächtig viel Lumen, aber kaum Reichweite haben, ist die MM18III für mich eine willkommene Abwechslung. Wie ein berühmter Autoreifenhersteller sagt, „power is nothing without control“, so sage ich „Helligkeit ist nichts ohne Reichweite“. Die MM18III deckt für mich in einer Lampe ab, wozu ich ansonsten zwei oder sogar drei Lampen bräuchte. Dazu kommt noch eine sehr hohe dauerbetriebsfeste Stufe von 6000 Lumen. Die schiere Performance der Lampe ist erstklassig; lediglich dem „Drumherum“ hätte noch etwas Feinschliff gut getan.

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