Review Elzetta Charlie C333

Vorwort

Elzetta ist ein seit nunmehr 10 Jahren existierender US-amerikanischer Taschenlampenhersteller mit einer Spezialisierung auf taktische Taschenlampen und -Zubehör speziell für harte Einsätze unter militärischen Bedingungen. So behauptet Elzetta, die robustesten Taschenlampen der Welt zu bauen. Die Lampen sind modular aufgebaut (auf der amerikanischen Webseite kann man sich – in gewissen Grenzen – seine Wunschtaschenlampe konfigurieren), und auf extreme Stabilität ausgelegt. Das modulare System geht so weit, dass man auch die Leuchteinsätze (sog. „Drop-Ins“) wechseln kann.

Auf der Webseite des Herstellers kann man sich Videos anschauen, in denen mit Elzetta-Taschenlampen Nägel eingeschlagen werden, die Batterien der Lampe unter Wasser im Betrieb gewechselt werden, und Schlimmeres. Natürlich funktionieren die Lampen hinterher immer noch (die gesamte Elektronik der Lampen befindet sich in vergossenen und versiegelten Drop-Ins).

Dazu kommt noch eine gehörige Portion Nationalstolz. Wie auch Surefire, fertigt Elzetta in den USA. Elzetta wirbt auch damit, dass man sich mit Fragen jederzeit an die Elzetta-Fabrik wenden könne, und man umgehend von einem Englisch sprechenden US-Bürger (pun höchstwahrscheinlich intended) eine Antwort bekommt.

Wie Surefire, bietet auch Elzetta eine lebenslange Garantie auf die Taschenlampen.

Nicht nur hier in Deutschland (meine C333 habe ich bei knifesandtools.de erworben) sind Elzetta-Taschenlampen entsprechend teuer. Wenn man das reine Lumen-pro-Euro-Verhältnis betrachtet (die hier vorgestellte C333 liefert 900 Lumen für 300 Euro), spricht (zumindest für einen Privat-Anwender) kaum etwas für die Lampen. Bereits eine Thrunite TC10 für 66 Euro dürfte eine Robustheit aufweisen, deren Grenzen man unter normalen Bedingungen nie auslotet (beim Gassi-Gehen mit der Lampe gibt es kaum die Gefahr, dass die Lampe dabei von einem Panzer überrollt wird). Warum also Elzetta?

Nun, die Elzetta C333 („Elzetta Charlie“) hat schon einige Alleinstellungsmerkmale, auf die ich in meinem Review eingehen werde. Ausschlaggebend für mich war aber schlicht und einfach die Faszination von Elzetta-Lampen. In jeder Taschenlampen-Sammlung sollte sich mindestens eine Elzetta befinden. 🙂

Leistungsdaten

LED:CREE XM-L2, Neutralweiß
Leistung:900 ANSI-Lumen
Leuchtweite:220 Meter (12200cd) nach ANSI/NEMA FL1 Standard
Leuchtstufen:900 Lumen (1 Stunde 45 Minuten)
30 Lumen (50 Stunden)
Wasserdicht:IPX8 (10 Meter Eintauchtiefe)
Stoßfest:5 Meter Fallhöhe
Stromversorgung:3* CR123A-Batterien
(der Betrieb mit Akkus ist vom Hersteller nicht vorgesehen)
Maße:37mm (Kopfdurchmesser) * 25,4mm (Durchmesser Akkurohr) * 172,7mm (Länge)
Gewicht:207g (ohne Batterien)

Verpackung und Lieferumfang

Ausstattung und Lieferumfang der Lampe ist, nun ja, militärisch spartanisch. 🙂

Die Lampe wird in einer Blister-Verpackung ausgeliefert, auf deren Rückseite sich eine rudimentäre Betriebsanleitung befindet. Neben der Lampe sind die zum Betrieb benötigten drei CR123A-Batterien enthalten, sowie (immerhin) zwei Ersatz-O-Ringe.

Holster? Fehlanzeige.

Und da die Lampe beim Herunterfallen ja sowieso nicht kaputt gehen kann, ist auch kein Lanyard dabei. 🙂

Regelung

Die Regelung der Lampe kann als „ausgezeichnet“ bezeichnet werden. Der, von Elzetta „AVS“ (Automatic Voltage Sensing) genannte, Lampenkopf erkennt die anliegende Spannung, und regelt die Leistung entsprechend. Der Kopf ist in der Tat der gleiche, wie er bei der Elzetta Bravo (Betrieb mit 2* CR123A-Batterien, und maximal 650 Lumen) enthalten ist. Mit den drei CR123A-Batterien (9,0V) der Charlie liefert der Kopf die genannten 900 Lumen; am kürzeren Akkurohr der Bravo mit nur zwei CR123A-Batterien (6,0V) liefert der Kopf nur 650 Lumen.

Die erste Stunde mit frischen Batterien bleibt die Helligkeit innerhalb 90% der anfänglichen Maximalleistung. Ein Abregeln oder sonstigen Helligkeitsabfall gibt es hier nicht (die „nur“ 900 Lumen haben durchaus auch ihre Vorteile). Erst nach einer Stunde (das ist wohl der Moment, an dem die Spannung der Batterien unter 6,0V sinkt, und der Lampenkopf daher in den „Elzetta Bravo“-Modus mit 650 Lumen umschaltet) erfolgt ein Step-Down auf eine niedrigere Stufe.

Obwohl vom Hersteller kein Betrieb mit wiederaufladbaren Akkus vorgesehen ist, so kann man sich doch mit geeigneter Auswahl von LiIO-Akkus an die maximal zulässige Spannung von 9,0V herantasten.

In der Lampe passen und funktionieren zwei LiIO-Akkus im 16500-Format (17500er Akkus sind bereits zu lang und zu dick). Die hier gezeigten Efest-Akus gibt es zwar nur in der Flat-Top-Ausführung; jedoch hatte ich Glück, und ich konnte in meiner Sammlung von 8 dieser Akkus zwei finden, bei denen der Pluspol trotzdem weit genug hervor schaute, so dass die Akkus untereinander Kontakt bekommen, wenn man sie hintereinander ins Akku-Rohr steckt.

Diese beiden Akkus liefern zusammen eine Spannung von 8,4V, welche nahe genug an die 9,0V der drei CR123A-Batterien heranreicht, so dass die Lampe die 900 Lumen liefert. Mit einem Luxmeter gemessen gibt es keinen Unterschied in der Helligkeit im Vergleich zum Betrieb mit den CR123A-Batterien.

Weiterhin schafft es die Lampe auch mit diesen zwei Akkus, die 900 Lumen für knapp eine Stunde zu halten. Nach 57 Minuten in meinem Test (der Helligkeitsabfall betrug bis dahin lediglich 10%) schaltete die Lampe dann runter auf eine Stufe zwischen 500 und 600 Lumen. An dieser Stelle habe ich den Test vorerst beendet, weil ich die Spannung der Akkus überprüfen wollte (die Lampe hat ja wahrscheinlich keine Abschaltung bei Akku-Ende, und die Akkus haben keine Schutzschaltung; es besteht also theoretisch die Gefahr der irreparablen Tiefentladung der Akkus).

Die Akkus hatten im Leerlauf jedoch immer noch 3,80V (die Entladeschlussspannung dieser Akkus liegt bei 2,75V; also noch alles im grünen Bereich). Eine genauere Laufzeitmessung bis zum Ende wird noch folgen, aber ich vermute, die Laufzeit und der Helligkeitsverlauf mit diesen zwei Akkus wird auch nicht anders sein als der mit drei CR123A-Batterien. Von daher sind diese 16500-Akkus ein adäquater Ersatz für die CR123A-Batterien.

Blick auf die Lampe

Die Lampe macht einen extrem robusten Eindruck. Die Anodisierung ist fehlerfrei und sehr widerstandsfähig. Die Oberfläche dieser Anodisierung ist matt und rau; ähnlich wie man es bei Armytek-Lampen findet.

Normalerweise putze ich die Lampen vor dem Fotografieren immer, aber im Fall der folgenden Aufnahme des Lampenkopfes habe ich mal eine Ausnahme gemacht, um einen Effekt zu demonstrieren:

Diese Spuren an der Oberfläche (sehen aus wie Kratzer) sind nichts weiter als Abschürfungen von Haut und Fingernägeln beim Anfassen und Benutzen der Lampe. Die Lampe hat eine so harte und raue Oberfläche, die wie feinstes Sandpapier wirkt – es schmirgelt sich alles daran ab. Die Lampe lässt sich perfekt zur Fingernägel-Maniküre verwenden. Auch die etwas stärkere „Kampfspur“ rechts im Bild (teilweise auf dem Akkurohr) ist nur abgeriebener Fingernagel. Das ist keine Beschädigung der Anodisierung.

Zusammen mit dem eher unüblichen Schmiermittel an den Dichtungsringen und Gewinden …

… sieht die Lampe innerhalb kürzester Zeit nach dem Auspacken aus, als ob sie schon mal in Afghanistan mit dabei gewesen wäre. Ein echter Used- und Vintage-Look. Das ist aber alles nur oberflächlich; einmal unter den Wasserhahn, und die Lampe sieht wieder aus wie neu. Wobei ich die Schmierung natürlich nicht abwaschen würde; die hat schon ihren Grund (Korrosionsschutz).

Die Gewinde sind zweiteilig eingefettet: an der Nähe des O-Rings mit einer weißen, sehr zähflüssigen Creme, und oberhalb davon dann noch mit einem grauen, anscheinend Graphit enthaltenden Mittel. Dies liefert wahrscheinlich maximalen Schutz vor Eindringen von Feuchtigkeit und Dreck, sowie vor Korrosion.

Die Tailcap:

Die Tailcap stellt ein weiteres Alleinstellungsmerkmal dar: es handelt sich um einen Forward-Clicky (Momentlicht und Lichtsignale geben wie z.B. Morsen ist möglich), der jedoch nahezu geräuschlos ist. Der „Klick“ beim Einrasten des Schalters ist kaum hörbar. Im Vergleich: selbst der elektronische Seitentaster einer Klarus XT11S ist lauter! (Der Heckschalter sowieso.)

Alleinstellungsmerkmal Nummer 3 ist die Lichtaustritts-Optik der Lampe:

Es handelt sich hier um keinen klassischen Reflektor, sondern um eine TIR-Optik. Diese kann den Spot (und in diesem Fall auch den Spill) besser bündeln als es ein Reflektor in der gleichen Größe könnte. Hier mal ein Whitewall-Shot im Vergleich zur Armytek Viking Pro v3 XHP50, welche ja durch ihren tiefen Reflektor auch für ihren bereits sehr engen Spill-Winkel bekannt ist:

Links die Armytek Viking Pro V3 XHP50 (kaltweiß); rechts die Elzetta. Der Spill der Elzetta hat nur etwa den halben Durchmesser von dem der Viking (der Abstand zur Wand war natürlich bei beiden Lampen gleich).

Beide Lampen liefen hier übrigens auf „volle Pulle“. Das Mehr an Lumen der Viking manifestiert sich primär in der größeren Spill-Fläche.

Außerdem ist die Lichtfarbe der Elzetta genial. Es handelt sich um ein sehr schönes, fast verfärbungsfreies Neutralweiß. Im Vergleich dazu, das Warmweiß der Armytek Viking ist mir oftmals bereits zu „warm“. Die Elzetta liegt von der Lichtfarbe her in der Mitte zwischen der kaltweißen und der neutralweißen Variante der Viking:

Der abgeschraubte Kopf mit Blick auf das versiegelte Drop-In:

Ansonsten kann man noch vorne den Bezel abschrauben, und das Frontglas sowie die Optik herausnehmen. Dies verkneife ich mir bei meinen Lampen jedoch lieber, da ich vermeiden möchte, dass dort Staub und Dreck (Fussel) hineinkommt.

Die Lampe ist im US-Elzetta-Store wahlweise auch mit einem glatten Bezel, sowie mit einer Linse, welche das austretende Licht stärker bricht, und so ein flutigeres Lichtbild erzielt, verfügbar.

Tailstand

Durch den hervorstehenden Clicky beherrscht die Lampe den Tailstand nicht.

PWM

PWM ist in keiner Leuchtstufe vorhanden. Die Lampe ist absolut flimmerfrei.

Wegrollschutz

Durch die angedeuteten Kanten und Aussparungen am Lampenkopf ist ein gewisser Wegrollschutz gegeben.

Bedienung

Bedient wird die Lampe ausschließlich über den Heckschalter.

Die Lampe ist mit vier verschiedenen Heckschaltern verfügbar, die sich alle in der Bedienung unterscheiden. Ich habe die Variante mit der „High-Low Tailcap“. Diese bietet als einzige Variante zwei verschiedene Helligkeitseinstellungen. Gewechselt werden die beiden Helligkeiten durch leichtes Lösen (Aufdrehen) und Zuziehen der Endkappe. Ist die Endkappe komplett zugedreht (also fest auf das Akkurohr geschraubt), läuft die Lampe im höchsten Modus mit 900 Lumen. Lockert man die Endkappe etwas (bereits wenige Millimeter genügen), schaltet die Lampe um auf den Modus mit 30 Lumen.

Ein sog. Tailcap-Lockout (das Verhindern des ungewollten Einschaltens durch mechanische Unterbrechung des Stromkreislaufs) ist ebenfalls möglich. Hierfür muss man die Endkappe einfach noch weiter aufdrehen. Nach einer vollständigen 360 Grad-Umdrehung ist der Stromkreis unterbrochen, und die Lampe lässt sich nicht mehr einschalten.

Die anderen Tailcaps, die es gibt, sind:

  • Rotary Tailcap: hier schaltet man die Lampe ausschließlich durch Drehen der Endkappe ein und aus. Es ist zwar auch bei dieser Endkappe ein Button am Heck vorhanden, jedoch rastet dieser nicht ein, und dient ausschließlich als Momentlicht (leuchtet nur, solange man den Button gedrückt hält).
  • Click Tailcap: Ist ähnlich wie meine Variante, jedoch lediglich mit nur einer Leuchtstufe mit 900 Lumen.
  • High-Strobe Tailcap: Ist ebenfalls ähnlich wie meine Variante; statt der niedrigen Leuchtstufe hat man jedoch Strobe.

Die Lampe in der Hand

Hier gibt es nichts zu Meckern. Die Lampe ist wie gemacht für die Hand. 🙂

Auch mit Handschuhen liegt die Lampe absolut grifffest in der Hand, und lässt sich gut bedienen.

Verglichen mit …

Neben Elzetta fallen mir noch zwei weitere US-amerikanische Taschenlampen-Hersteller mit ähnlicher/gleicher Philosophie ein: Surefire und Streamlight.

Hier daher die Elzetta C333 (Mitte) zwischen zwei Konkurrenzprodukten, die ebenfalls mit drei CR123A-Batterien betrieben werden: Links die Surefire P3X Fury, und rechts die Streamlight ProTac HL3:

Und noch zwei, etwas gebräuchlichere, taktische Taschenlampen mit 18650-Akku-Betrieb mit dazu: ganz links die Armytek Viking Pro V3 XHP50, und ganz rechts eine Thrunite TC10 V2:

Fazit

Elzetta – eine faszinierende Marke. Ich liebe meine Charlie C333; außerhalb von Militär und sonstigen behördlichen Einsatzzwecken wird sie jedoch, aufgrund ihres Preises, wohl nur bei Taschenlampen-Liebhabern zu finden sein.

Trotz der „nur“ 900 Lumen hat die C333 jedoch auch durchaus ein paar Vorzüge: die sagenhafte Lichtfarbe, der sehr fokussierte Lichtstrahl, und die ausgezeichnete Regelung, die dafür sorgt, dass der Helligkeitsverlust innerhalb der ersten Stunde lediglich 10% beträgt. Last not least das modulare System mit austauschbaren und auswählbaren Komponenten, und die brachiale Robustheit der Lampe.

Weiterführende Links

5 Gedanken zu „Review Elzetta Charlie C333

  1. Neongelber Handschuh 13. November 2017 at 9:52

    Wie teuer sind denn Lampen von Elzetta?
    MFG Neongelber Handschuh

  2. kandalph 13. November 2017 at 13:31

    Hallo Markus,
    wie immer ein gelungenes Review mit allen Details.
    Eine sehr tolle TL.
    Der einzige Wermutstropfen, nicht am Review, sondern an der Elzetta:
    Der Preis. Aber auch das hast du bei dieser Vorstellung berücksichtigt.
    Danke.

  3. Ostwestfale 2. Dezember 2017 at 18:10

    Hallo Markus,
    hab mich mal hier angemeldet!
    Sehr schöner Blog!
    Tolle Reviews.
    Habe heute meine neue Elzetta Bravo bekommen und bin
    auch von der Lichtfarbe beeindruckt.
    V.G.
    Ralf

    • Markus 2. Dezember 2017 at 18:31

      Hallo Ralf,
      Glückwunsch zur Elzetta Bravo! 🙂
      Ich habe mir zusätzlich zu meiner Charlie noch von Oveready die (anscheinend letzte) aufgebohrte Elzetta Bravo geholt (die, die ich hier weiter oben verlinkt hatte; nun läuft der Link ins Leere); ist ebenfalls vergangene Woche gekommen. Ich werde nächste Woche mal ein paar Bilder machen und hier zeigen.
      Viele Grüße,
      Markus

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