Review Nitecore Concept 1

Vorwort

Das Wort „Konzept“ assoziiere ich zwar einerseits mit innovativen Neuerungen, aber andererseits auch mit (noch) nicht marktreifen Entwicklungen. Wie es diesbezüglich mit der neuen Nitecore Concept 1 aussieht, wird dieses Review zeigen.

Leistungsdaten

LED:CREE XHP35 HD E2
Leistung:1800 Lumen nach ANSI/NEMA FL1-Standard
Leuchtweite:220 Meter nach ANSI/NEMA FL1-Standard (12100 cd)
Leuchtstufen und -Modi:- 1 Lumen (300 Stunden)
- 80 Lumen (15 Stunden)
- 300 Lumen (4 Stunden)
- 810 Lumen (1 Stunde 30 Minuten)
-1800 Lumen (30 Minuten) (*)
- Beacon, SOS, und Strobe
- Blinkanzeige der Akkuspannung mit 0,1V Genauigkeit
Wasserdicht:2 Meter Eintauchtiefe (IPX)
Stoßfest:1,5 Meter Fallhöhe
Stromversorgung:- 1* 18650 IMR-Akku (*)
- 2* CR123A-Batterien
- 1* 18650 LiIO-Akku
- 2* RCR123-Akkus (16340 Format)
Maße:111,5mm (Länge) * 25,4mm (Durchmesser Lampenkopf) * 23,8mm (Durchmesser am Heck)
Gewicht:61,9g (ohne Akku)

(*) Für die 1800 Lumen wird ein hochstromfähiger IMR-Akku benötigt, der dauerhaft eine Leistung von 8A liefern kann. Mit „normalen“ LiIO-Akkus, sowie mit CR123A-Batterien, ist die 1800 Lumen-Stufe nicht verfügbar. Die 1800 Lumen-Stufe lässt sich dann zwar aktivieren, bringt aber nicht die volle Leistung.

Die 30 Minuten Laufzeit der 1800 Lumen-Stufe ist ein akkumulierter Wert. Die kleine Lampe kann die 1800 Lumen aufgrund der immensen Hitzeentwicklung nicht lange halten, und regelt ziemlich schnell thermisch bedingt ab.

Verpackung und Lieferumfang

Geliefert wird die Lampe in einer stylisch designten und edel anmutenden Papp-Box:

Der Inhalt ist, Nitecore-typisch, in einem Plastik-Inlay verstaut:

An Lieferumfang haben wir:

  • natürlich die Lampe
  • ein 18650er IMR-Akku mit einer Kapazität von 3100mAh
  • ein Holster
  • Lanyard
  • zwei Ersatz-O-Ringe
  • Anleitung, Garantiekarte, und ein bisschen Reklame

Zum Laden des Akkus wird noch ein externes Ladegerät für LiIO-Akkus benötigt. Die Lampe bietet keine Lademöglichkeit.

Tailstand

Durch das flache Ende beherrscht die Lampe, wie man auf obigem Bild sehen kann, den Tailstand perfekt.

Blick auf die Lampe

Die Anodisierung ist, wie man es von Nitecore nicht anders gewohnt ist, perfekt und fehlerfrei ausgeführt. Das Design der Lampe ist ein echter Hingucker.

Der glatte Reflektor mit der perfekt zentrierten CREE XHP35 HD LED:

Der Kopf der Lampe mit dem fest verschraubtem Pocket-Clip:

Die andere Seite des Lampenkopfes mit dem stylischen Bedienungsschalter:

Das Heck der Lampe:

Die losgeschraubte Endkappe. In der Endkappe befindet sich ein Magnet, mit dem die Lampe an metallischen Oberflächen haften bleibt.

Wie man sehen kann, ist das Akku-Rohr der Lampe nicht gerade dickwandig. Ich frage mich, ob hier ein bisschen mehr Material für eine bessere Wärmeableitung gesorgt hätte.

Die zerlegte Lampe. Die Gewinde sind sauber geschnitten und gut gefettet.

Bedienung

Bedient wird die Lampe mit dem seitlichen Metall-Schalter. Dieser ist am oberen Ende mit einem kleinen beweglichen Gelenk verbunden, und am unteren Ende mit einer Schraube fixiert.

Der Druckpunkt dieses Schalters ist recht gut. Anfangs hat er beim Betätigen ein bisschen geknirscht, aber das ist mit der Zeit verschwunden.

Der Schalter wirkt jedoch ein wenig filigran, aber nicht im positiven Sinne. Insgesamt ist er wohl mehr aus designtechnischen (optischen) Gründen so gestaltet worden, statt aus praktischen Gründen. Das Hauptproblem, das ich mit diesem Schalter habe ist, dass er nicht versenkt, und dadurch nicht vor versehentlichem Einschalten (z. B. in der Hosentasche oder im Holster) geschützt ist. Des weiteren hat die Lampe keinen elektronischen Lockout. Glücklicherweise funktioniert ein mechanischer Lockout (dazu einfach die Endkappe ein kleines bisschen lösen). Das Verwenden dieses mechanischen Lockouts ist dringend notwendig, wenn man die Lampe mit dem Pocket-Clip in der Hosentasche mit sich herum trägt. Ansonsten geht die Lampe in der Hosentasche nämlich recht schnell von alleine an.

Dieser mechanische Lockout hat selbst jedoch folgende Probleme:

  • Beim Zuschrauben signalisiert die Lampe durch Blinkzeichen die aktuelle Akkuspannung. Wenn man die Lampe immer im mechanischen Lockout transportiert und die Endkappe vor jeder Verwendung zudrehen muss, können diese Akkuzustand-Blinkzeichen vor jeder Benutzung schnell nerven. Zum Glück lässt sich diese Blinkerei schnell unterbrechen, indem man die Lampe einfach schnell nach dem Zuschrauben der Endkappe einschaltet. Durch das Einschalten stoppt die Akku-Blinkanzeige.
  • Die Lampe hat zwei verschiedene Betriebsmodi: „Normal“ und „taktisch“ (im taktischen Modus hat man schnelleren Zugriff auf die Strobe-Funktion). Der Wechsel zwischen diesen beiden Modi geschieht, indem man beim Zuschrauben der Endkappe den Seitenschalter gedrückt hält. Leider passiert dieses Modi-Wechseln im Grunde ständig aus Versehen bei jedem Zuschrauben; einfach, weil die Lampe so klein ist, und weil der Seitenschalter so weit hervorsteht. Man kann die Lampe kaum zudrehen ohne dass man dabei versehentlich/unbemerkt den Seitenschalter drückt.

Die Bedienung der Lampe selbst ist, nun ja, sagen wir, wenig intuitiv. (Zuerst wollte ich schreiben „misslungen“, aber nach einigem Üben komme ich, mit Einschränkungen, doch recht gut damit zurecht.)

Bei einem einfachen, kurzen Druck auf den Seitenschalter, tut sich gar nichts. Um die Lampe einzuschalten, muss man den Schalter etwas länger (etwa eine halbe Sekunde) gedrückt halten. Beim Einschalten auf diese Weise hat die Lampe Mode Memory; d.h., sie schaltet sich in der zuletzt benutzten Helligkeitsstufe (dies beinhaltet Firefly und Turbo) ein. (Die letzte Helligkeitsstufe merkt sich die Lampe selbst dann, wenn zwischenzeitlich die Endkappe gelöst wurde.)

Nur in diesem Moment des Einschaltens durch Gedrückt-halten lassen sich auch die verschiedenen Helligkeitsstufen auswählen. Dazu muss man den Seitenschalter einfach weiter gedrückt halten, wenn sich die Lampe eingeschaltet hat. Die Lampe wechselt beim Gedrückt halten die Helligkeitsstufen durch, und zwar von Low nach High. Hat man die Lampe also zuletzt in einer mittelhohen Helligkeitsstufe benutzt, und möchte nun eine niedrigere Helligkeitsstufe, muss man zuerst durch die ganz hohen Helligkeitsstufen einschließlich Turbo wechseln, bis man wieder bei den niedrigeren Helligkeitsstufen angelangt ist.

Ist die Lampe erst mal eingeschaltet, und man hat den Taster losgelassen, kann man die Helligkeitsstufen nicht mehr wechseln. Man kann lediglich durch Gedrückt-halten die Turbo-Stufe aktivieren (die Turbo-Stufe aktiviert sich beim Gedrückt-halten nach ca. 0,5 Sekunden). Die Turbo-Stufe hält die Lampe dann solange, so lange man die Taste gedrückt hält. Lässt man die Taste wieder los, wechselt die Lampe auf die vorherige Helligkeitsstufe zurück. Dies finde ich sogar recht gut und praktisch – man kann immer wieder kurzzeitig die Turbo-Stufe abrufen, und anschließend zur vorherigen Helligkeit zurückwechseln. Um die Helligkeitsstufe dauerhaft zu ändern, muss man die Lampe jedoch wieder aus-, und erneut einschalten.

Ansonsten gibt es noch folgende Bedienungsmöglichkeiten aus dem ausgeschalteten Zustand heraus:

  • Ein kurzer Doppelklick schaltet die Lampe in der Firefly-Stufe mit 1 Lumen ein.
  • Ein kurzer Dreifach-klick aktiviert die Turbo-Stufe mit 1800 Lumen. (Im „taktischen Modus“ aktiviert sich durch Dreifachklick der Strobe. Dies ist der einzige Unterschied, den ich im Vergleich zum normalen Betriebsmodus feststellen konnte.)

Kurzum, die Bedienung ist alles andere als perfekt; ich persönlich kann mich jedoch so einigermaßen damit arrangieren. Die Helligkeitsstufen finde ich gut gewählt und gut zueinander abgestuft. In der Turbo-Stufe wird die Lampe recht schnell heiß, und die Temperaturregelung greift ziemlich schnell ein. Man sieht bereits 5 Sekunden nach Aktivieren des Turbos, wie die Lampe in kleinen Schritten die Leistung Stück für Stück reduziert, ähnlich wie man es auch von neueren Zebralights kennt.

Eine Besonderheit noch im Dauer-Turbo-Modus: Man kann manuell immer wieder auf die volle Leistung hochschalten: Wenn man die Lampe über den Dreifach-klick dauerhaft auf Turbo eingeschaltet hat, kann man jederzeit durch einen halbsekündigen Druck auf den Taster den vollen Turbo-Modus wieder aktivieren. Dieser hält dann aber natürlich wiederum nicht lange, und die Lampe beginnt ziemlich schnell wieder mit dem Abregeln. Im weiteren Verlauf pendelt sich die Lampe dann jedoch unter Umständen auf eine noch niedrigere Helligkeit ein, da sich durch das wiederholte Hochschalten die Hitze noch weiter aufstaut.

PWM

Sämtliche Helligkeitsmodi sind komplett frei von PWM.

Die Lampe in der Hand

Nachdem bei meinem Review der SRT9 ein Aufschrei durch die Nitecore-Fan-Gemeinde ging, weil ich die Lampe als ergonomisch nicht besonders gelungen empfinde (wozu ich nach wie vor stehe), kann ich hier Entwarnung geben: die Concept 1 liegt gut in meiner Hand. 🙂

Verglichen mit …

Durch die Einzigartigkeit der Concept 1 ist es schwer, Lampen für einen direkten Vergleich auszuwählen. Ich habe mich hier für die Zebralight SC63 entschlossen (ca. 1300 Lumen; ebenfalls mit einer XHP 35 HD LED), sowie eine Viking Pro v3 XHP50 (mit ebenfalls 1800 Lumen). Im Vergleich zur Viking sieht man, wie winzig und kompakt die Concept 1 ist (bei gleicher Lumenleistung!). Ledliglich das Zebralight ist noch ein Stück kürzer.

Die angegebenen 1800 Lumen kaufe ich der Concept 1 ab. Sie macht deutlich mehr Licht als das Zebra, und bei meinen Messungen liegt die Concept 1 in etwa gleichauf mit der Viking (+- 2,5%).

Das Lichtbild der Concept ist jedoch, …. nun … nicht schön aber hell. 🙂 Die Lichtfarbe ist deutlich blau angehaucht, sie hat sichtbare Ringe im Lichtbild, und in der Mitte einen deutlich gelben Spot.

Nitecore Concept 1:

Zebraligt SC63 (kalt-weiß):

Armytek Viking Pro v3 XHP50, kalt-weiß:

Fazit

Generell finde ich es gut, dass Nitecore sich traut, neue Sachen zu probieren. Das ist halt nicht immer gleich ein 100%iger Erfolg (wie bei der neuen Endkappe der SRT9, als auch bei dem neuen Seitenschalter der Concept 1).

Positiv:

  • Unglaubliche Lichtleistung für so eine kleine Lampe
  • Außergewöhnlich schickes Design
  • Klein genug, dass man sie immer dabeihaben kann

Negativ:

  • Bedienkonzept wenig intuitiv und nicht ausgereift
  • Lichtbild bei „White-Wall-Shots“ nicht wirklich schön (wie man bei den „Draußen-Beamshots“ sieht, spielt das in der Praxis jedoch kaum eine Rolle)

Weiterführende Links

Laufzeitmessungen: https://www.lilahand.de/2017/06/26/laufzeitmessung-nitecore-concept-1/
Beamshots: https://www.lilahand.de/2017/07/01/beamshots-nitecore-concept-1/

Reviews weiterer Lampen von Nitecore:

 

4 Gedanken zu „Review Nitecore Concept 1

  1. Neongelber Handschuh 25. Juni 2017 at 18:06

    Schönes Review, das Konzept von Nitecore ist interessant, aber zu teuer! Zebralight SC63 überzeugt mich mehr!Habe die SC63 mal ausprobiert!

  2. casi290665 26. Juni 2017 at 18:57

    Hallo Markus,
    und wieder ist ein „Dankeschön“ fällig, dieses mal für das Review zur Concept 1 !
    Jedoch hat es mich eher bestätigt, daß ich lieber auf eine Concept 2 oder gar 3 warte…

    Gruß
    Carsten

    • Markus 26. Juni 2017 at 19:07

      Danke! 🙂

      In Summe finde ich die Lampe gar nicht schlecht. „Klein und hell“ ist immer gut. 🙂 Ich habe die Lampe momentan immer als EDC in der Hosentasche dabei. Mit den folgenden „Verhaltensmaßregeln“ komme ich auch mit der Bedienung klar:
      1. Immer im Tailcap-Lockout in die Hosentasche
      2. Beim Herausziehen der Lampe und Schließen der Tailcap darauf achten, dass man nicht mit der Hand aus Versehen auf den Einschalter drückt (ansonsten wechselt sie von „Normal“ zu „Taktisch“ bzw zurück).
      3. Mode Memory bleibt auch nach einem Tailcap-Lockout erhalten, und ein Doppelklick (Firefly) oder Dreifach-Klick (Turbo) verstellt den Mode Memory nicht. Man hat vor dem Einschalten also die Wahl zwischen drei Helligkeiten:
      A) Firefly (Doppelclick)
      B) Turbo (Dreifach-Klick)
      C) Letzte Leuchtstufe (Mode-Memory) (Einschalter 1/2 Sekunde gedrückt halten)

      So hat man beim Einschalten im Grunde drei Helligkeitsstufen zur unmittelbaren Auswahl.

      Die Mode Memory-Stufe habe ich auf einer mittleren Helligkeit eingestellt. Dass man nach dem Einschalten die Helligkeit nicht mehr wechseln kann, kompensiert sich dadurch teilweise – man hat ja vor dem Einschalten drei direkte Helligkeiten zur Auswahl, und aus der Mode Memory-Stufe heraus kann man den Momentary Turbo durch Gedrückthalten aktivieren (und beim Loslassen wieder zur vorherigen Helligkeit zurückwechseln). Dies deckt die Fälle ab, dass man eine dauerbetriebsfeste Stufe hat, und kurzzeitig auch mal „aufblenden“ kann.

      Viele Grüße,
      Markus

  3. Lanyards. 28. Juni 2017 at 20:01

    Ist da auch ein Länjaad dabei?

    Spaß beiseite. Hatte sie auch kurz in der Hand. Ich werde nicht so richtig warm mit ihr. Design und erster Eindruck sind cool. Sehr cool sogar. Aber der klapprige Schalter, dass anstrengende UI und die permanente Gefahr, dass die Lampe angeht machen sie für mich gänzlich unbrauchbar. @Nitecore: bitte dringend nachbessern. Gerne schaue ich mir eine concept v2 an. Und Hut ab vor den Eiern mal etwas neues zu versuchen!!!!!

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