Review Armytek Viking Pro v3 XHP50

Vorwort

Armytek, das ist die Geschichte von ein paar genialen russischen Ingenieuren, die im Jahr 2007 anfingen, Taschenlampen zu entwickeln. 2009 wurde die Produktionsstätte in China eröffnet. Die erste Lampe, die entstand, war die Armytek Predator; ein innovativer Meilenstein in der Taschenlampengeschichte. Im Jahr 2010 wurde dann schließlich die Firma Armytek Optoelectronics Inc. in Kanada gegründet. (Warum ausgerechnet Kanada; keine Ahnung. 🙂 )

Armytek ist seither bekannt für deren extremst robuste Taschenlampen. Erreicht wird dies unter anderem durch vergossene Treiber im Lampenkopf, und die Verwendung von doppelten O-Ringen an allen Gewinden. Außerdem gewährt Armytek ganze 10 Jahre Garantie auf ihre Lampen.

In jüngster Zeit (dies ist meine persönliche Meinung) geriet Armytek mit ihren Lampen etwas ins Straucheln; unter Umständen durch das Bestreben, immer neuere Lampen in immer kürzeren Zeitabständen auf den Markt zu bringen. So passten bei einigen neueren Lampenversionen (z.B. Predator oder Barracuda) die verwendeten XP-L Hi LEDs nicht so ganz perfekt zum Reflektor, was zu unschönen Ringen im Lichtbild führte. Des weiteren gab es immer wieder mal Treiberprobleme, bei denen die in der Dokumentation beschriebenen Features nicht immer zur jeweiligen Lampe passten.

Mit der hier vorgestellten Viking Pro v3 XHP50, wie auch mit deren Schwestermodell, der aktuellen Predator Pro v3 XHP35 Hi, scheinen diese Schwierigkeiten nun überwunden. Beides sind Lampen, die man bedenkenlos kaufen kann.

Leistungsdaten

Helligkeit:2300 LED-Lumen, 1800 OTF-Lumen
Leuchtdichte / Reichweite:20500cd, entspricht 286 Meter (nach ANSI/NEMA FL1-Standard)
LED:CREE XHP50
Maße:154mm (Länge)
25,4mm (Durchmesser am Akkurohr)
41mm (Durchmesser am Lampenkopf)
Gewicht:126g (ohne Batterien)
Wasserdicht:bis 50 Meter für 5 Stunden (IP68; der höchste Standard)
Fallhöhe:30 Meter
Mögliche Energieversorgung:1* 18650 LiIO-Akku
2* 18350 LiIO-Akkus
2* 16340 LiIO-Akkus
2* CR123A Batterien
Helligkeitsstufen und Leuchtdauer:1800 Lumen (1 Stunde)
900 Lumen (1,7 Stunden)
390 Lumen (4 Stunden)
165 Lumen (10,5 Stunden)
30 Lumen (50 Stunden)
1,7 Lumen (40 Tage)
0,15 Lumen (200 Tage)
Strobe 1
Strobe 2

Armytek verwendet bei der Helligkeitsangabe nicht die ANSI/NEMA FL1-Norm. Statt dessen verwenden sie LED-Lumen, sowie OTF-Lumen. Bei den LED-Lumen handelt es sich um die Lichtmenge, die die LED abgibt. Dabei sind Verluste durch den Reflektor und das Frontglas jedoch nicht berücksichtigt. Dies wird durch die OTF-Lumen-Angabe spezifiziert. OTF bedeutet „Out The Front“, und gibt an, wieviel Lumen tatsächlich vorne rauskommen. 🙂 Die OTF-Lumenangabe liegt üblicherweise ziemlich nahe an ANSI-Lumen-Angaben. (Zur Ermittlung der ANSI-Lumenangabe im Gegensatz zur OTF-Lumenangabe muss zwischen dem Einschalten und dem Zeitpunkt der Messung eine gewisse Zeitspanne verstrichen sein; man darf für die ANSI-Lumenangabe also nicht direkt nach dem Einschalten messen.)

Die Lampe gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen; einmal mit kalt-weißer Lichtfarbe, und einmal mit warm-weißer. Mir liegt im Moment jedoch nur die kalt-weiße Variante vor.

Verpackung und Lieferumfang

Geliefert wird die Lampe in einer unscheinbaren und umweltfreundlichen Papp-box. Darin befindet sich folgender Inhalt:

Neben der Lampe ist ein Holster, die Anleitung, ein Lanyard, ein Ansteck-Pocket-Clip, sowie zwei Ersatz-O-Ringe mit an Bord.

Betrieben wird die Lampe am besten mit einem leistungsfähigen LiIO-Akku im 18650-Format. Ein solcher ist nicht im Lieferumfang enthalten. Auch ein passendes Ladegerät für den Akku sollte man bei einer Erstanschaffung mit einplanen.

Holster

Bei dem Holster handelt sich um ein Nylon-/Stoff-Holster, aus einem sehr weichen und flexiblen Material, mit einem Klettverschluss:

Blick auf die Lampe

Wie man sieht, hat die Lampe einen OP-Reflektor. Die Bilder der Lampe auf der Armytek-Homepage zeigen noch das Vorgängermodell mit dem glatten Reflektor.

Die Lampe selbst hat eine matte, fast schon raue Oberfläche, die sich ähnlich anfühlt wie ganz feines Schmirgelpapier. Manche Leute stören sich etwas dran, ich persönlich finde es ganz gut. Dadurch ist die Lampe etwas griffiger. Man sieht allerdings immer sofort „Kontakt-Spuren“ auf der Oberfläche der Lampe, sowie man mit der Lampe irgendwo hängenbleibt oder aneckt. Im ersten Moment sieht es dann immer aus wie ein Kratzer auf der Lampe; unter dem Wasserhahn lassen sich diese Spuren aber in der Regel wieder abwaschen. Was da bei „Feindkontakt“ passiert ist, dass die Lampe härter ist als der berührte Gegenstand, und durch die „sandige“ Oberfläche der Lampe reibt sich der andere Körper an der Lampe ab. Auch Fingernägel hinterlassen solche temporären Spuren auf der Lampe. Man kann die Lampe aufgrund der feinen rauen Oberfläche gut als Nagelfeile benutzen. 🙂

Die Lampe in ihrer vollen Länge. Durch den hervorstehenden Endkappen-Schalter beherrscht die Lampe den Tailstand nicht.

Ein näherer Blick auf den Endkappen-Schalter (engl. Tail-Clicky), und der seitlichen Öse für das Lanyard.

Der Lampenkopf mit den (in Kenner-Kreisen hin und wieder belächelten) Verzierungen. (Sollen das Lorbeer-Blätter sein?)

Die zerlegte Lampe. Der Akku gehört nicht zum Lieferumfang.

Wir haben hier den Kopf der Lampe, das Mittelstück, die Endkappe, den optional verwendbaren Ansteck-Clip, sowie einen Zigarren-Ring (dieser ist bei der Lampe aus Gummi gefertigt; bei anderen Lampen ist dieser Ring normalerweise aus Metall), sowie zwei Gummi-Ringe (rechts unten im Bild). Mit diesen kann man die leichte Vertiefung am Akkurohr „auffüllen“, wenn man nicht den Clip und nicht den Zigarren-Ring verwenden möchte, oder nur eines der beiden Zubehörteile.

Das Mittelstück der Lampe, mit den, schon eingangs erwähnten, doppelten O-Ringen an den Gewinden. Die Gewinde sind zudem sehr gut gefettet.

Federn sowohl am Lampenkopf als auch am Endkappen-Schalter. Dadurch ist der eingelegte Akku gut vor Stößen geschützt.

Der aufgesteckte Clip. In diesem Fall habe ich einen dieser beiden Gummi-Ringe entfernt, damit an der Stelle Platz ist für den Clip.

Hier kann man auch gut erkennen, dass der Zigarren-Ring aus Gummi ist (etwas unüblich).

Der Clip ist zwar nur gesteckt und nicht anderweitig verriegelt, jedoch greift der Clip extrem stramm (man kann ihn mit bloßen Fingern kaum wieder abziehen; zum Abnehmen stecke ich daher einen Schraubenzieher durch den Clip und benutze diesen als Hebel). Dadurch dürfte ein versehentliches Abgehen effektiv verhindert werden.

Ein Blick in den Reflektor und auf die LED. Der Reflektor hat keinen besonders großen Durchmesser, ist aber extrem tief. Dadurch fällt der Spill der Lampe außergewöhnlich eng aus (die Lampe strahlt kaum in die Breite). So kommt die Lampe trotz des kleinen Reflektordurchmessers auf eine beachtliche Reichweite (für die Größe der Lampe). Das Licht, das bei anderen Lampen im Spill „verstreut“ wird, wird hier relativ gebündelt nach vorne geworfen.

Der Reflektor ist eine designtechnische Meisterleistung. Wie man hier erahnen kann, hat der Reflektor von außen nach innen verschieden starke „Gefälle“. Am äußeren Rand ist die Steigung flacher als innen in der Nähe der LED. Ich habe dieses obige Foto absichtlich nicht exakt zum Reflektor zentriert aufgenommen, sondern um wenige Millimeter versetzt, damit man diese Unterschiede im Reflektor noch sieht. Sowie man kerzengerade in den Reflektor schaut, verschwinden diese sichtbaren Stufen, und der Reflektor sieht aus „wie aus einem Guss“. So hat es Armytek geschafft, ein Lichtbild zu schaffen, das völlig frei ist von Ringen und sonstigen Artefakten.

So sehr ich auf Armytek geschimpft habe wegen des Predator-Reflektors in der XP-L Hi-Variante jener Lampe (und dem daraus resultierenden unschönen Lichtbild), so sehr muss ich Armytek hier bei der Viking Pro v3 XHP50 zum gelungenen Design gratulieren.

Nitecore hat ein ähnliches Reflektor-Design in deren TM03 angestrebt, hat es jedoch nicht so gut hinbekommen. Die Nitecore TM03 hat ein paar sichtbare Ringe im Lichtbild.

Die perfekt zentrierte LED.

Bedienung

Einziges sichtbares Bedienelement ist der Ein-Ausschalter am Heck. Das Verstellen der Leuchtstufen ist via „Kopfdrehen“ realisiert:

Mit festgezogenem Kopf hat die Lampe eine der beiden Turbo-Stufen (entweder 1800 oder 900 Lumen). Bei dem Endkappen-Schalter handelt es sich um einen sog. „Forward-Clicky“; das bedeutet, Momentlicht und Lichtsignale (z.B. morsen) (durch wiederholtes Drücken und Gedrückt halten und anschließendem wieder Loslassen des Schalters) ist möglich.

Mit etwas losgelöstem Kopf (hierzu dreht man einfach den Kopf am Gewinde ein Stück vom Akkurohr los; bereits wenige Millimeter genügen) gelangt man an die anderen Helligkeitsstufen sowie Sondermodi (Strobe).

Bei losgelöstem Kopf wechselt man zyklisch durch die übrigen Leuchtmodi, indem man vor dem eigentlichen Einschalten der Lampe den Endkappen-Schalter kurz antippt. Im (voreingestellten) „Hunting“-Modus wechselt man also bei losgelöstem Kopf durch die Helligkeitsstufen 0,15, 1,7, 30, 165, sowie 390 Lumen durch. Zieht man den Kopf dann fest, landet die Lampe in der Turbo-Stufe. Löst man den Kopf wieder leicht, kehrt die Lampe zu der vorherigen „Medium“-Leuchtstufe zurück. Die Lampe hat dabei Mode-Memory, und merkt sich beim erneuten Einschalten die zuvor genutzte „Medium“-Leuchtstufe.

Neben dem (voreingestellten) „Hunting“-Modus hat die Lampe noch einen weiteren Betriebsmodus, den „taktischen“ Modus. Im taktischen Modus hat die Lampe mit gelöstem Kopf keine mittleren Helligkeitsstufen. Mit losgelöstem Kopf kann man statt dessen zwischen zwei verschiedenen Strobe-Modi wechseln.

Zwischen Hunting- und dem taktischen Modus wechselt man, indem man, bei eingeschalteter Lampe, den Lampenkopf 10* hintereinander loslöst und wieder festzieht.

Im taktischen Modus kann man bei fest angezogenen Kopf zwischen zwei Leuchtstufen wechseln, und zwar zwischen Turbo und dem High-Modus mit 390 Lumen. Hierfür muss man den Kopf, bei eingeschalteter Lampe, kurz lösen und gleich wieder festziehen.

Last not least, hier ist die Vorgehensweise, wie man die Lampe zwischen Turbo1 (900 Lumen) und Turbo2 (1800 Lumen) hin- und herschaltet:

Hierzu muss man, bei festgezogenem Kopf und ausgeschalteter Lampe, 15 mal hintereinander schnell den Endkappenschalter antippen (nicht voll durchdrücken). Erst beim 15. Mal muss man den Endkappenschalter voll durchdrücken, so dass die Lampe eingeschaltet bleibt. Die Lampe quittiert den eingestellten Turbo-Modus nun, indem sie entweder 1* oder 2* blinkt. Blinkt die einmal, ist Turbo1 mit 900 Lumen aktiv. Blinkt sie zweimal, hat man Turbo2 mit 1800 Lumen aktiviert.

Wer glaubt, dass diese Steuerung kompliziert sei, der sollte sich mal die ersten Predator Pro-Versionen anschauen. Dort war die mögliche Programmierung noch wesentlich umfangreicher. 🙂

Dieses „Kopfgedrehe“ ist nicht jedermanns Sache. Auch die Firma EagTac hat einige solcher Lampen mit einer ähnlichen Steuerung im Programm, und auch dort gibt es sowohl Leute, denen diese Art der Steuerung gefällt, und andere Leute, die die Lampen deswegen ablehnen.

Der Vorteil dieser Steuerung ist, dass man bereits vor dem Einschalten der Lampe in gewissen Grenzen die Helligkeitsstufe vorwählen kann. Der Nachteil ist, dass man zum Drehen des Kopfes beide Hände benötigt (mit der einen Hand hält man die Lampe am Akkurohr, mit der anderen Hand hält man den Kopf, und verdreht dann die Hände gegeneinander) – der Kopf dreht sich so schwer, dass die Bedienung mit einer Hand nicht wirklich funktioniert.

PWM

Sämtliche Helligkeitsstufen sind absolut frei von PWM, und daher komplett flimmerfrei.

Die Lampe in der Hand

Die Lampe liegt gut und grifffest in der Hand, und lässt sich auch mit Handschuhen sicher bedienen.

Verglichen mit …

Hier erkennt man, im Vergleich mit anderen Lampen, die matte Oberfläche der Viking.

Vergleichen möchte ich die Viking Pro v3 XHP50 (ganz links) mit zwei anderen taktischen Taschenlampen; der Klarus XT11GT (zweite von links) und der Nextorch TA30 (dritte von links). Außerdem habe ich noch, wegen der Verwendung der gleichen LED sowie einem Reflektor mit ähnlichem Durchmesser, die Nitecore EC4S mit in den Vergleich aufgenommen.

Links die Viking, rechts die Nitecore EC4S. Wie man erkennen kann, ist der Reflektor der Viking wesentlich tiefer als der der EC4S. Durch den flacheren Reflektor der EC4S hat diese einen größeren Spill; leuchtet also stärker in die Breite.

Hier sieht man schön, wie die Armytek Viking Pro v3 XHP50 einen sehr homogenen, aber räumlich recht begrenzten Lichtstrahl nach vorne wirft. Die anderen Lampen strahlen im Spill alle deutlich mehr in die Breite.

Außerdem finde ich die Lichtfarbe der Viking atemberaubend schön. Das ist ein schönes Reinweiß, ohne Farbstiche (ohne Grün- oder Blau-Verfärbungen).

Hier nochmal die Viking mit der Nitecore EC4S im Einzelvergleich.

Und hier noch der Spot der Lampen näher betrachtet.

Fazit

Die Armytek Viking Pro v3 XHP50 ist eine rundum gelungene taktische Lampe, mit einer tollen Lichtfarbe und einem sehr homogenen und angenehmen Lichtbild für den Nahbereich, sowie den mittleren Entfernungsbereich (bis ca. 100 Meter).

Weiterführende Links

Beamshots: https://www.lilahand.de/2017/06/20/beamshots-nitecore-srt9-srt7gt-ec4s-armytek-viking-pro-v3-xhp50-fenix-tk35-ue-mod-2015-klarus-xt11gt/

Laufzeitmessungen:

Reviews anderer taktischer Lampen:

Reviews von Lampen mit ähnlichen LEDs:

 

Ein Gedanke zu „Review Armytek Viking Pro v3 XHP50

  1. Hausmeister 9. Juni 2017 at 18:47

    Wie immer , Klasse Vorstellung.

    freut mich nun umso mehr dass in kurze Kürze dobermann viking und predator bei mir eintreffen.

    warum kanada? naja evtl. passen die temperaturen zu den heimischen Gefilden

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