Review Nextorch TA30

Vorwort

Die Firma Nextorch greift auf mittlerweile über 10 Jahre Erfahrung im Bau von robusten und zuverlässigen Taschenlampen zurück. In dieser Zeit hat Nextorch durch einige Innovationen auf sich aufmerksam gemacht. So hat Nextorch beispielsweise die patentierte Smart Torch Technology (STT) entwickelt, bei der man bei Taschenlampen über einen eingebauten USB-Anschluss die Anzahl Leuchtstufen und die Helligkeiten frei nach eigenen Anwenderwünschen konfigurieren kann (die hier vorgestellte Lampe besitzt dieses Feature jedoch nicht).

Aber auch die TA30, um die es hier heute geht, besitzt gleich zwei neuartige Alleinstellungsmerkmale. Mehr dazu später.

Die hier vorgestellte TA30 wurde speziell für taktische Anwendungen im Bereich Polizei/Zoll/Einsatzkommandos/Security entwickelt, und zwar in enger Zusammenarbeit mit ebendiesen Anwendergruppen. Hier kommt es einerseits auf eine hohe Zuverlässigkeit im rauen Einsatz an, andererseits wurde Bedienung und Features speziell für die Anforderungen dieser Zielgruppe konzipiert.

Als Nebeneffekt gewann die TA30 einen Red Dot Design Award 2017.

Leistungsdaten

Die Lampe wird vom Hersteller mit folgenden Leistungsdaten beworben:

LED:CREE XP-L V6
Maximale Helligkeit:1100 Lumen nach ANSI/NEMA FL1 Norm
Leuchtmodi:15 Lumen für 22 Stunden
160 Lumen, 5 Stunden
1100 Lumen, 1 Stunde 45 Minuten
Strobe
Leuchtweite:240 Meter (ebenfalls nach ANSI/NEMA FL1)
Wasserdicht:IPX-8 (2 Meter)
Stromversorgung:2x CR123A Batterien oder 1x 18650 Li-Ion Akku
Maße:137mm (Länge) * 30mm (Kopfdurchmesser) * 23mm (Durchmesser am Akkurohr)
Gewicht:90g

Alle Leuchtstufen (auch die höchste) verwenden PWM. Die PWM-Frequenz ist jedoch so hoch, dass man unter normalen Bedingungen kein Flimmern wahrnimmt. Man sieht die PWM-Frequenz jedoch z.B. im digitalen Sucher/Display von Kameras.

Die Lichtfarbe der Lampe ist ein „ehrliches“ Kalt-weiß, ohne störenden Blaustich.

Verpackung und Lieferumfang

Geliefert wird die Lampe in folgender weißen Pappverpackung. Da bei der Lampe von Haus aus kein Holster dabei ist, habe ich mir von Nextorch gleich das zur Lampe passende Einsatzholster „Nextorch Tactical Polymer Holster V5“ mitbestellt:

Auf das Holster gehe ich weiter unten noch ein.

In dem Karton der Lampe befindet sich folgender Inhalt:

Da wäre natürlich die Lampe selbst, ein aufladbarer LiIO-Akku im 18650-Format und einer Kapazität von 2600mAh, ein Lanyard, ein USB-Kabel zum Aufladen des Akkus, zwei Ersatz-O-Ringe, sowie die Anleitung.

Der 18650-Akku hat eine seitliche USB-Mikro-Buchse am Kopf, über welche er mit dem USB-Kabel wieder aufgeladen werden kann. Der Akku muss zum Aufladen aus der Lampe entnommen werden (ein Aufladen direkt in der Lampe ist nicht möglich).

Den Akku kann man übrigens auch ganz regulär in einem normalen 18650-LiIO-Ladegerät laden.

Ebenfalls dabei (und im Auslieferungszustand bereits in der Lampe eingelegt) ist eine Plastik-Hülse für den optionalen Betrieb der Lampe mit zwei CR123A-Batterien (links unten im Bild). Sie dient dazu, dass die Batterien in der Lampe nicht klappern, da CR123A-Batterien einen etwas kleineren Durchmesser haben als der 18650-Akku. Zum Einlegen des 18650-Akkus in die Lampe muss diese Hülse entfernt werden (da der Akku sonst nicht hinein passt).

Blick auf die Lampe

Die Lampe ist makellos verarbeitet. Die Anodisierung ist absolut fehlerfrei.

Der Blick in den Reflektor, und auf die CREE XP-L V6 (HD) LED.

Die LED ist bei meinem Exemplar perfekt im Reflektor zentriert.

Hier haben wir das erste besondere Alleinstellungsmerkmal, das ich eingangs erwähnte: Die Lampe besitzt vorne am Lampenkopf drei Nano-Keramik-Glasbrecher, zum Einschlagen von gehärteten Scheiben. Dies erspart das zusätzliche Mitführen eines Glasbrechers.

Die drei Nano-Keramik-Glasbrecher von der Seite betrachtet.

Auf Youtube existieren bereits ein paar Videos, auf denen die erfolgreiche Funktion dieses Glasbrechers getestet und vorgeführt wird.

Durch diese Vorrichtung am Lampenkopf hat allerdings das Lichtbild im unmittelbaren Nahbereich eine etwas eigenwillige Form.

Hier darf man sich einfach nicht dran stören. In der Entfernung minimiert sich dieser Effekt.

Die Lampe weist eine hohe Wandstärke auf (dies macht die Lampe besonders robust). Sowohl am Lampenkopf, als auch in der Tailcap wird der Akku durch Federn gehalten, um Stöße abzufedern.

Weiter kann man die Lampe nicht zerlegen (der Kopf mit dem vorderen Teil ist fest mit dem Akkurohr verbunden).

Der Clip ist zwar abnehmbar, jedoch kann er im Betrieb bzw im Transport nicht versehentlich abhanden kommen, da er von der Tailcap gehalten wird.

Der Clip mit losgelöster Tailcap:

Dreht man die Tailcap zu, verschwinden die Halteklammern des Clips teilweise unter der Tailcap, so dass der Clip nicht entfernt werden kann, wenn die Tailcap zugeschraubt ist.

EagTac hat bei einigen Lampen ein ähnliches System.

Bedienung

Bedient wird die Lampe komplett über die Tailcap. Es existieren keine Bedien-Elemente am Lampenkopf:

Durch die Form der Tailcap mit dem hervorstehenden mechanischen Schalter ist die Lampe nicht tailstand-fähig.

Bei der Tailcap kommt ein neues, von Nextorch patentiertes System zum Einsatz.

Bei dem Endkappen-Schalter handelt es sich um einen mechanischen, taktischen Schalter mit Momentlicht-Funktion, sowie Moment-Strobe.

Momentlicht (bzw Moment-Strobe) bedeutet, die Lampe leuchtet nur solange man diesen Schalter gedrückt hält. Lässt man den Schalter wieder los, geht die Lampe wieder aus. Der Schalter rastet also nicht ein, wie es bei „normalen“ Tailcap-Clickys der Fall ist.

Drückt man diesen Schalter nur bis zum ersten Widerstand ein, reagiert die Lampe mit Momentlicht, auf der höchsten Stufe mit 1100 Lumen. Wenn man den Schalter an dieser Stelle dann noch weiter eindrückt, schaltet die Lampe um auf Strobe. Dies kann man in etwa vergleichen mit dem zweistufigen Auslöser einer Kamera – bis zum ersten Druckpunkt stellt der AF der Kamera scharf, und drückt man noch weiter durch, löst die Kamera aus und schießt das Bild.

Der Schalter der TA30 ist dabei aber angenehm schwer gängig (schwerer, als es bei einem Kamera-Auslöser der Fall ist), so dass man diese beiden Funktionen nicht versehentlich aktiviert. Man muss also einen gewissen Druck aufbauen, um den Schalter reinzudrücken.

Unterhalb dieses Schalters (man kann ihn nicht, wie bei anderen Lampen, „Clicky“ nennen, weil er ja nicht einrastet, und auch nicht klickt – der Schalter funktioniert absolut geräuschlos) befindet sich ein Drehring, mit dem man die permanenten Leuchtstufen erreicht:

In der Einstellung „TAC“ ist die Lampe aus. Es funktioniert lediglich das Momentlicht (bzw Moment-Strobe) durch Eindrücken des Schalters am Lampenende.

Dreht man diesen Drehring auf „1“, leuchtet die Lampe dauerhaft auf der niedrigsten Stufe mit 15 Lumen.

Dreht man weiter, kommt zunächst die 2. Dauerleuchtstufe mit 160 Lumen, dann die 3. Dauerleuchtstufe mit 1100 Lumen, und dann (ganz am anderen Anschlag des Ringes) die dauerhafte Strobe-Funktion.

Das besondere ist, selbst wenn man über den Drehring eine der permanenten Leuchtstufen eingestellt hat, kann man jederzeit temporär durch drücken und gedrückt halten des Heckschalters auf die Turbo-Stufe bzw Strobe wechseln. Lässt man den Heckschalter anschließend wieder los, kehrt die Lampe zurück zu der vorher eingestellten Leuchtstufe.

Auf diese Weise kann man bei Bedarf sehr schnell von einer niedrigen Leuchstufe in die höchste Leuchstufe und wieder zurück wechseln.

Die Lampe in der Hand

Die Lampe ist (für eine 18650-Lampe) schon sehr klein und kompakt. Sie liegt gut in der Hand, und läßt sich auch mit Handschuhen sicher bedienen.

Zum Einschalten bzw zur Auswahl der Helligkeitsstufen muss man die Lampe allerdings in der „taktischen“ Position halten, mit dem Daumen auf dem Heckschalter (wie auf dem ersten Bild weiter oben), da man in der Haltung am herabhängenden Arm (wie auf dem unteren Bild) die Bedienelemente am Heck der Lampe nicht erreicht.

Auch den Drehring mit den Leuchtstufen bedient man am besten in der taktischen Haltung, mit Daumen und Zeigefinger.

In der taktischen Haltung kann man die Lampe jedoch komplett einhändig bedienen. Bei den taktischen EagTac-Lampen, bei denen die Helligkeitsstufe durch Drehen des Lampenkopfes gewählt wird, geht dies z.B. nicht (da braucht man beide Hände zum Verstellen).

Holster

Wie ich eingangs schrieb, habe ich mir gleich das für die Lampe passende taktische Einsatz-Holster mitbestellt:

Das Holster besteht aus einer Nylon-, Glasfaser- und TPR-(thermoplastische Gummi)-Mischung, und ist äußerst widerstandsfähig. Es erinnert ein bisschen an die taktischen Holster von ESP.

Die Rückseite mit Gürtelclip.

An der Seite hat das Holster eine Stellschraube, mit welcher man das Holster auch für einige andere Lampen anpassen kann.

Das Holster wirkt wie für die Lampe gemacht. Ist es wahrscheinlich auch. 🙂 An der Unterseite, wo der Lampenkopf sitzt, hat das Holster eine Aussparung, so dass man mit der Lampe auch leuchten kann, während die Lampe im Holster steckt. Das Holster ist dabei um 360 Grad drehbar; wenn man das Holster mit der Lampe am Gürtel trägt, kann man den äußeren Teil des Holsters mit der Lampe darin nach vorne drehen, und auch so den Bereich nach vorne ausleuchten, während die Lampe noch im Holster festgeschnallt ist.

Die Lampe wird im Holster durch einen Sicherungshebel stabil gehalten. Dieser Sicherungshebel ist einhändig bedienbar, so dass man die Lampe bei Bedarf schnell entnehmen, und auch schnell wieder verstauen und verriegeln kann.

Verglichen mit …

Vergleichen möchte ich die TA30 mit einer weiteren, taktisch/behördlich (für Einsatzkräfte) ausgelegten Lampe, der Klarus XT11S:

Die reine Lumenleistung ist bei beiden Lampen identisch. Die Klarus XT11S setzt nur auf eine etwas andere Bedienung (wobei auch hier ein Schnellzugriff auf die Turbo-Stufe aus jeder anderen Helligkeitsstufe heraus möglich ist), und ist insgesamt etwas größer. Sie hat auch einen größeren Kopfdurchmesser, sowie eine LED (CREE XP-L Hi), welche eher auf Reichweite ausgelegt ist. Durch den kleineren Kopf mit der größeren LED hat die Nextorch TA30 eher ein flutigeres Lichtbild. Dies wird in den noch zu erscheinenden vergleichenden Beamshots ersichtlich werden.

Einen Vorteil hat die XT11S: bei ihr kann man die Strobe-Funktion wegprogrammieren, wenn man diese Funktion nicht haben möchte. Über den Sinn von Strobe gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Einige Leute möchten bei ihrer Einsatzlampe keinen Strobe, andere wollen nicht drauf verzichten.

Fazit

Eine sehr kompakte, stabile und helle Lampe, die man auch außerhalb von ihrem gedachten Einsatzgebiet immer dabeihaben kann. Die Lampe ist „kompromisslos“ auf taktische Anwendungen (als Einsatzlampe für Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst) getrimmt. Für solche Einsatzgebiete ist der enthaltene Nano-Keramik-Glasbrecher eine sinnvolle Ergänzung. Die Bedienung ist innovativ, erfrischend neu, und geht nach kurzer Übungszeit schnell und streßsicher von der Hand.

Weiterführende Links

Beamshots: https://www.lilahand.de/2017/05/30/beamshots-nextorch-ta30-nitecore-srt7-srt7gt-klarus-xt11s/

Laufzeitmessung: https://www.lilahand.de/2017/06/04/laufzeitdiagramm-nextorch-ta30/

 

3 Gedanken zu „Review Nextorch TA30

  1. Thomas Nachtigal 29. Mai 2017 at 10:53

    Wow! DAS nenne ich mal einen ausführlichen, objektiven Test von jemanden, der echt Ahnung von der Materie hat!

    • Markus 29. Mai 2017 at 12:06

      Danke! 🙂

      Es gab mal eine Lampe mit einem ähnlichen Bedienkonzept, und zwar die Thrunite Lynx („gab“ deshalb, weil sie inzwischen nicht mehr hergestellt wird). Bei der Nextorch TA30 ist es aber, finde ich, wesentlich besser gelöst. Bei der Lynx musste man, um Momentlicht zu haben, den Drehschalter am Heck vorher auf die Momentlicht-Position drehen. Wenn man dies vergessen hat (was mir bei der Lampe oft passiert ist), hat die Lampe beim gedrückt halten des Heckschalters statt der Momentlicht-Funktion angefangen, die Helligkeitsstufe durchzurampen. Auf diese Weise habe ich mir bei der Lynx oft aus Versehen meine eingestellten Helligkeitsstufen verstellt. Das mit der Einstellmöglichkeit der Helligkeitsstufen war bei der Lynx zwar eine gute Idee, empfand ich aber schlecht umgesetzt.

  2. casi290665 29. Mai 2017 at 16:15

    Hallo Markus,
    Ich danke Dir, mal wieder, für ein gutes Review !

    Gruß
    Carsten

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