Laufzeitmessung Klarus G35

Gerade neu erschienen, und schon hier auf dem Prüfstand: die neue Klarus G35. 🙂

Normalerweise beginne ich ja bei einer neuen Lampe mit dem Review, aber im Fall dieser Lampe wollte ich die Laufzeitmessung vorziehen. Die Klarus G35 nutzt nämlich die Akkus in einer zuvor nie dagewesenen Art und Weise.

Betrieben wird die Lampe mit drei 18650-Akkus. Dabei werden allerdings nicht während der gesamten Laufzeit auch tatsächlich alle drei Akkus von der Lampe benutzt. Einer der drei Akkuschächte ist ein „Not-Schacht“; die Lampe kann zur Not auch mit nur einem Akku betrieben werden, wenn man diesen in diesen Not-Schacht einsetzt.

Wenn man nun drei volle Akkus in die Lampe einlegt, werden anfangs nur zwei davon genutzt (nämlich die beiden außerhalb des Not-Schachts). Erst wenn die Spannung dieser beiden Akkus unter ca. 3,70V (im Leerlauf gemessen) fällt, schaltet die Lampe um auf den „Not-Akku“, und benutzt eine Zeit lang nur diesen.

Erst wenn dann die Spannung dieses einen Akkus unterhalb der der anderen beiden fällt, werden anscheinend alle drei Akkus von der Lampe benutzt.

Ich denke, hier wird innovativ versucht, die anliegende Spannung nicht oberhalb der LED-Vorwärtsspannung kommen zu lassen. Das Umschalten erspart wahrscheinlich die Notwendigkeit, die Spannung anderweitig zu begrenzen. Ist aber nur eine Vermutung von mir; ich versuche, von Klarus da weitere technische Details zu erfahren.

Nun zur Laufzeitmessung: bei der Laufzeitmessung habe ich die Lampe mit drei geschützten EagTac 18650-Akkus, mit einer Kapazität von jeweils 3500mAh, betrieben.

Die Laufzeitmessung fand draußen unter freiem Himmel statt, bei sommerlichen Abendtemperaturen von um die 20 Grad. Eine zusätzliche Kühlung der Lampe fand nicht statt.

Ich denke, hier sieht man ziemlich gut, wann die Lampe vom Betrieb mit 2 Akkus umschaltet auf den Betrieb mit einem Akku (dies passierte nach 43 Minuten), und wann die anderen Akkus wieder mit angezogen werden (dies war nach 112 Minuten der Fall).

Update 18.05.17: Aus dem Einzel-Akku zieht die Lampe auch mehr Strom als aus den anderen beiden. Bei der Benutzung der zwei Akkus zieht die Lampe knapp 2,2A pro Akku. Im Betrieb mit dem Einzel-Akku wird dieser mit knapp 4,3A belastet. Der einzelne Akku muss also etwa genau so viel Energie liefern (im Rahmen meiner Messgenauigkeit; 0,1A hin oder her) wie die anderen beiden Akkus zusammen.

Der Graph zeigt die ersten drei Stunden der Laufzeitmessung. Die Lampe lief danach aber noch weiter. Am nächsten Morgen hat die Lampe immer noch geleuchtet, und hatte immer noch ca. 35 Lumen. Die Akkus waren nach der Entnahme runter auf 3,08V, 2,86V, sowie 3,00V. Ob die Lampe eine Abschaltung hat, oder ob sie die Akkus in die Schutzschaltung laufen lässt, konnte ich noch nicht herausfinden.

Update 18.05.17: Um die Auswirkungen der Temperatursteuerung der Lampe sichtbar zu machen, habe ich den Test wiederholt; diesmal jedoch, während die Lampe fortwährend mit Wasser gekühlt wurde:

Das Ergebnis der Laufzeitmessung unter Kühlung ist in Rot eingetragen.

Die Charakteristik der Kurve bleibt im Prinzip gleich. Anfangs (in den ersten 40 Minuten) bleibt sie durch die aktive Kühlung ca. 100 Lumen heller, da hier die Temperaturregelung der Lampe nicht eingreifen muss. Die dadurch entstehende höhere Belastung für die Akkus rächt sich dann jedoch „hinten raus“. Etwa nach 50 Minuten ist sie dann dafür über weite Teile (minimal) dunkler als in dem Lauf ohne Kühlung.

Diese Helligkeitsunterschiede je nach Kühlung sind insgesamt jedoch so gering, dass man sie mit bloßem Auge nicht wahrnehmen kann; man kann sie nur messen. 100 Lumen mehr oder weniger bei einer Gesamthelligkeit von 2000 Lumen nimmt man mit den Augen nicht wahr.

Update zur Endabschaltung der Lampe: Die Lampe schaltet beim Ende der Akkus sauber ab, und lässt die Akkus nicht in die Schutzschaltung laufen. Da die Lampe die Akkus unterschiedlich beansprucht (und die Akkus daher zum Schluss unterschiedliche Spannungen haben), konnte ich die exakte Abschaltschwelle der Lampe nicht genau ermitteln. Nach dem Abschalten der Lampe hatten in meinem Fall die Akkus noch Spannungen von 2,5V, 2,7V, sowie 2,9V. Keiner der Akkus befand sich in der Schutzschaltung. Nach dem Abschalten lässt sich die Lampe auch nochmals einschalten; die Lampe schaltet sich innerhalb von wenigen Sekunden aber wieder aus. Zu diesem Zeitpunkt kommt auch nur noch ein kleines Glühwürmchen-Licht aus der Lampe (und die Kontroll-LED im Seitenschalter blinkt rot). Unter normalen Umständen wird ein Anwender längst von sich aus die Akkus wieder aufgeladen haben. Aber es ist gut zu wissen, dass sich die Lampe auch bei einem eventuellen unabsichtlichen und unbemerkten Einschalten von sich aus wieder ausschaltet, und die Akkus nicht tief-entlädt und somit dauerhaft schädigt.

 

8 Gedanken zu „Laufzeitmessung Klarus G35

  1. Carsten 19. Mai 2017 at 8:36

    Hallo,
    Man sollte ja eigentlich immer dieselben Akkus in einer Lampe nutzen da es sonst zu Problemen kommen kann.
    So wie diese Lampe die Akkus nutzt dürfte das aber dann nicht mehr so wichtig sein oder? Wenn die so unterschiedlich leergezogen werden muss man ja sonst sogar immer darauf achten den selben Akku in den Notschacht einzulegen.

  2. Markus 19. Mai 2017 at 8:49

    Das sehe ich auch so. Um etwas Geld zu sparen, könnte man nur in den „Not-Schacht“ einen hochstrom-fähigen Akku stecken, da dieser stärker beansprucht wird. In den anderen beiden Schächten könnte man auch billigere Akkus stecken, da von dort nur 2A je Akku gezogen werden. Diese 2A schafft jeder halbwegs moderne Akku; der muss dazu nicht als „hochstrom-fähig“ ausgewiesen sein.

    Da die Lampe auch eine funktionierende End-Abschaltung besitzt, wäre z.B. auch eine Kombination aus geschützten und ungeschützten Akkus denkbar. Als 2-er Kombi beispielsweise zwei preiswerte, geschützte Soshine-Akkus mit 3400mAh, und in den Not-Schacht einen ungeschützten Sanyo NCR18650GA oder LG INR18650HG2.

  3. casi290665 19. Mai 2017 at 18:04

    Hallo Markus,
    diese besondere Art der Akkunutzung durch die G35 macht sie mir noch sympathischer.
    So kann man auch „Einzelakkus“ verwenden die sonst nur in einzelligen Lampen verwendet werden…
    Bin schon auf Dein Review gespannt,
    Gruß
    Carsten

  4. Frank (Altwolf) 23. Mai 2017 at 13:04

    Moin Moin Markus,

    das Problem mit der unterschiedlichen Entladung habe ich übrigens auch bei meiner Olight SR52UT. Ich war gestern Abend Die G35 im Vergleich mit anderen Throwern testen, darunter auch die SR52UT. Vorhin habe ich die Akkus aus der Olight nachgeladen (mit einem AkkuPower IQ-328+) und da wurden in 2 Akkus (Soshine 3600 mit PCB) ca. 480mAh nachgeladen, in den dritten Akku nur ca. 40 mAh.

    Ich hatte die SR52UT vor knapp 2 Wochen auch auf einem Flashie-Treffen im Einsatz, dort aber mit LG INR18650MJ1 3500mAh. Ich bin mir nicht genau sicher aber es wäre mir beim Aufladen der Akkus sicherlich aufgefallen, wenn unterschiedliche Ladungen erfolgt wären. Sehr merkwürdig das Ganze und auf den ersten Blick für mich nicht wirklich erklärbar. Ich werde das noch mal testen!

    • Markus 23. Mai 2017 at 13:42

      Hallo Frank,

      die Olight SR52UT betreibt die drei Akkus ganz regulär parallel (gleichzeitig). Da hat ein Akku in der Lampe wohl keinen Kontakt gehabt, aus welchem Grund auch immer.
      Das ist die Gefahr bei Lampen, die die Akkus parallel betreiben – hat ein Akku mal keinen Kontakt, merkt man es nicht gleich, da die Lampe trotzdem funktioniert. Bei seriell geschalteten Akkus geht bei einem solchen Problem die Lampe gar nicht erst an, da der Stromkreis unterbrochen ist. So merkt man gleich, das etwas nicht stimmt.

      • Frank (Altwolf) 23. Mai 2017 at 14:05

        Hallo Markus,

        Du hast Recht, diese Möglichkeit hatte ich gar nicht auf dem Schirm! Danke für den Hinweis!

  5. light-wolff 16. Juni 2017 at 20:08

    Offen gesagt, mir erschließt sich der Sinn dieser Akkuschaltung rein gar nicht.

    Die höchste Gesamtenergie kriegt man aus den Akkus raus, wenn man alle 3 parallel entlädt, weil dann der Strom pro Zelle am geringsten ist und somit die Verluste an den Innenwiderständen. (Ohmsche Verluste sind proportional zum Quadrat des Widerstandes.)

    Mir persönlich wäre eine Lampe lieber, die einfach durchgängig konstant geregelte Helligkeit hat, gegen Ende rechtzeitig warnt, dass der Saft zur Neige geht, und dafür die Akkus weniger stark belastet und dadurch höhere Effizienz hat.

    Die XHP35 hat auf jeden Fall eine wesentlich höhere Vorwärtsspannung als die Akkus liefern, das kann also nicht der Grund für die seltsame Verschaltung sein. Ich denke, der „Reserveakku“ ist ein reines Marketing-Argument ohne wirklichen Nutzen.

    • Markus 16. Juni 2017 at 20:44

      Ja, ich weiß auch nicht, was das soll. Klarus hat auf die Anfrage nach dem Hintergrund auch nicht mehr Informationen herausgerückt.

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