Review Surefire Aviator-Serie

Einleitung

Die Firma Surefire ist ein seit Jahrzehnten etablierter amerikanischer Hersteller von Taschenlampen. Dabei findet nicht nur die Entwicklung, sondern auch die komplette Herstellung der meisten Lampen in den USA statt (bei einigen Lampen werden bestimmte Komponenten importiert). Hauptkunde von Surefire sind Militär und Polizei, sowie sonstige behördliche Einrichtungen und Institutionen. Aber auch bei privaten amerikanischen Unternehmen rund um das Thema Sicherheit findet man hin und wieder Surefire-Taschenlampen im Einsatz.

Wenn im Fernsehen ein FBI-Agent eine Taschenlampe zückt, handelt es sich zumeist um eine Surefire-Lampe.

Eine interessante Anekdote: bei den Taschenlampen, die in der TV-Serie „Enterprise“ (rund um Captain Archer) hin und wieder zu sehen sind, handelt es sich um ein modifiziertes (damit sie futuristischer aussehen) Surefire Invictus Modell. Aber auch in zahlreichen anderen amerikanischen Kinofilmen findet man immer wieder Surefire-Taschenlampen (sei es nun aus patriotischen Gründen, oder wegen eines geschickten Product Placements).

Die Lampe, um die es hier heute geht

Vorstellen möchte ich heute die neue Surefire Aviator Serie. Dabei handelt es sich um EDC-Taschenlampen, also kleine Taschenlampen, die man für den Fall der Fälle immer in der Hosentasche dabei haben kann.

Bei der Surefire Aviator handelt es sich um eine Taschenlampe mit einer weißen und einer farbigen LED. Die Aviator gibt es in insgesamt vier Ausführungen; jede Ausführung mit einer anderen farbigen LED (nur die weiße LED ist bei allen Modellen gleich).

Surefire und die Preise

Besonders hierzulande sind Surefire-Lampen vor allem wegen deren sehr hohen Preise „berüchtigt“. Zudem kann man die meisten Surefire-Lampen von Haus aus nicht mit Akkus betreiben, sondern nur mit handelsüblichen (Wegwerf-)Batterien. Grund für letzteres ist der von Surefire vorgesehene Einsatz unter taktischen Bedingungen (z.B. in Verbindung mit Schusswaffen), bei denen (besonders LiIO-)Akkus ein Sicherheitsrisiko darstellen können (z.B. bei Beschädigung durch äußere Einwirkung).

Die hohen Preise der Lampen lassen sich nur kaum rechtfertigen. Mir fallen nachfolgende Argumente ein; erfahrungsgemäß lässt sich ein „Nicht-Surefire-Kunde“ davon jedoch trotzdem nicht zum Kauf verleiten:

  • Surefire gewährt auf alle Lampen eine weltweite, lebenslange Garantie.
  • Viele der Lampen sind komplett in USA gefertigt.
  • Die Verarbeitungsqualität ist tadellos; die Gewinde sind sauber geschnitten, die Anodisierung ist fehlerfrei, und die Wandstärke ist beeindruckend.
  • Die Lampen sind quasi „unkaputtbar“.
  • Design und Bedienung der Lampen sind sehr gut durchdacht. Die Lampen sind ein wahrer Augenschmaus und echte Handschmeichler.

Trotzdem werden vor allem private Anwender bei der Lampensuche Surefire nicht in die engere Wahl ziehen. Anderswo gibt es einfach mehr Lumen für weniger Geld, und auch qualitativ hochwertige Lampen müssen nicht so teuer sein. Selbst das Argument „hohe Qualität und lebenslange Garantie“ zieht da nicht unbedingt – (schon irgendwo zu Recht) kann man auf dem Standpunkt stehen „für das Geld einer Surefire-Lampe kaufe ich mir 5 andere, und wenn da eine nach 2 Jahren kaputt geht, nehme ich einfach die nächste“.

Die Entscheidung „pro Surefire“ fällt eher andersherum: man sieht eine bestimmte Surefire-Lampe, und sagt sich, die muss ich unbedingt haben. Und irgendwann kauft man sie sich dann. Ich gestehe es: ich bin ein Surefire-Fanboy. Rational rechtfertigen lässt sich der Kauf solcher Lampen nicht.

Leistungsdaten

Zurück zur hier vorgestellten Surefire Aviator. Die Leistungsdaten sind wie folgt:

  • Weiße Lichtfarbe: zwei Helligkeitsstufen mit 250 Lumen (Laufzeit 1,5 Stunden) bzw 5 Lumen (20,5 Stunden)
  • Größe: 10,6 cm (Länge) * 2,7 cm (Durchmesser am Kopf)
  • Gewicht inkl. Batterie: 88 Gramm
  • Über die Reichweite (Leuchtdichte) macht Surefire keine Angaben. Selbst gemessen habe ich ca. 10800 Lux, was einer Reichweite nach ANSI/NEMA FL1-Norm von ca. 200 Metern entspricht. Für so eine kleine Lampe mir „nur“ 250 Lumen ist das ganz beachtlich, und ist wohl der speziellen TIR-Optik geschuldet.

Betrieben wird die Lampe mit einer CR123A-Batterie. Laut Surefire kann man die Lampe nicht mit LiIO-Akkus vom Typ 16340 betreiben, aufgrund deren höheren Spannung (4,2 V vs. 3,0 V). Es gibt jedoch von Surefire spezielle 3,0 V-Akkus (Typbezeichnung LFP123A). Diese benötigen jedoch auch ein eigenes Ladegerät. Surefire selbst empfiehlt die Verwendung dieser Akkus jedoch nicht, da die Lampe mit diesen Akkus niedrigere Leistungswerte (niedrigere Helligkeit, geringere Laufzeit) aufweist.

(In einem todesmutigen Selbstversuch habe ich mal kurz probiert, die Aviator mit einem nicht ganz voll aufgeladenem 16340-Akku zu betreiben. Die Lampe hat dies ohne Schaden überstanden. Jedoch hat eine Messung mit einem Luxmeter gezeigt, dass die Lampe mit dem 16340-Akku eine höhere Helligkeit liefert. Auf Dauer wäre mir daher das Risiko zu groß, dass die Lampe irgendwann durch diese Überspannung Schaden nimmt.)

Bei der zweiten, farbigen LED hat man folgende Modelle zur Auswahl. Die Farb-LEDs haben ebenfalls zwei Helligkeitsstufen:

  • Aviator RD: eine zusätzliche rote LED mit 39 Lumen (3 Stunden) bzw 1 Lumen (57 Stunden)
  • Aviator AM: eine zusätzliche LED in der Farbe Amber, mit 20 Lumen (2,75 Stunden) bzw 5 Lumen (29 Stunden)
  • Aviator BL: eine zusätzliche LED in Blau, mit 4 Lumen (12 Stunden) bzw 0,4 Lumen (49 Stunden)
  • Aviator YG: eine zusätzliche LED in der Farbe Gelb/Grün, mit 39 Lumen (12 Stunden) bzw 0,3 Lumen (58 Stunden)

Die niedrige weiße Leuchtstufe ist bei allen Exemplaren ohne PWM realisiert, und ist daher absolut flimmerfrei.

Interessanterweise verwenden die niedrigen farbigen Leuchtstufen jedoch alle PWM. Die PWM-Frequenz ist jedoch sehr hoch, so dass man mit bloßem Auge kein Flimmern wahrnimmt. Lediglich in digitalen Kameradisplays kann man es sehen. Die höchsten Leuchtstufen kommen alle ohne PWM aus; auch die farbigen.

Wozu sind nun die verschiedenen Farben gut? Surefire gibt hierfür die folgende Erklärung:

  • Rot: Erhält die Nachtsicht-Fähigkeit (zerstört nicht eine vorhandene Dunkeladaption der Augen).
  • Amber: Erhält (wie Rot) die Nachtsicht-Fähigkeit; jedoch hat Amber für Menschen den Vorteil der besseren Kontrasterkennung.
  • Blau: Bessere Erkennung von Blut und Hydraulik-Flüssigkeiten
  • Gelb/Grün: Dies ist die Komplementärfarbe der Instrumentenanzeigen in Flugzeugen. Damit ist dieses Modell hauptsächlich für Piloten gedacht.

Bezugsquellen

Hier in Deutschland bekommt man Surefire-Lampen entweder bei der Fa. POL-TEC , im Flashlightshop, oder bei der Fa. Manfred Alberts.

Meine Exemplare stammen aus dem Flashlightshop: http://shop.fenix.de/product_info.php?products_id=8794.
Dort sind zwar nur die beiden Modelle in Rot und Amber gelistet, jedoch bestellt man dort auf Wunsch auch die anderen Farben. So war es jedenfalls bei mir.

Verpackung und Lieferumfang

Geliefert werden die Lampen in einem Pappkarton. Beim Aufklappen findet man, sorgfältig umhüllt von Styropor-Verpackungsmaterial, die Lampe (nochmals in einer Plastik-Tüte gepackt), die Anleitung, ein weiterer Zettel mit Warnhinweisen zum Umgang, eine kleine Reklame-Broschüre, sowie ein Surefire-Aufkleber:

Außerdem dabei ist die zum Betrieb benötigte CR123A-Batterie. Diese ist zum Auslieferungszeitpunkt bereits in der Lampe eingesetzt.

Blick auf die Lampe

(Die blaue LED ist wirklich blau, und nicht violett, wie es hier auf dem Foto den Anschein hat. Interessanterweise hat meine Kamera wohl ein Problem, die Farbe Blau richtig einzufangen.)

Bedienung

Ein- und ausgeschaltet wird die Lampe über einen Druck auf den mechanischen Tailcap-Clicky, dem Endkappenschalter:

Die Tailcap ist versenkt, so dass sich die Lampe nicht versehentlich in der Hosentasche oder beim Transport einschalten kann. Dadurch ist die Lampe natürlich auch tailstand-fähig:

Die Lampe schaltet sich dabei immer in der Low-Stufe ein. Zum Aktivieren der höchsten Helligkeitsstufe muss man die Lampe kurz aus, und gleich wieder einschalten. Oder man tippt vor dem eigentlichen Einschalten den Tailclicky kurz an (so dass die Lampe kurz auf „Low“ aufblitzt); also „Tipp – Klick“.

Zwischen der weißen und der Farb-LED wechselt man, indem man den Kopf verstellt:

Hier steht die Lampe im Moment auf Weiß („WH“ für „white“). Um auf die farbige LED zu wechseln, muss man den Kopf etwas anheben, und dann verdrehen. Bei der Stellung für die Farbe rastet der Kopf wieder ein und zieht sich dadurch wieder zusammen:

Unter der Farbe ist eine Zahl aufgedruckt, und soll, vermute ich, die Wellenlänge des farbigen Lichts darstellen. Bei der Amber-Variante steht 590, bei Rot 633, bei Blau 450, und bei Grün/Gelb 568.

In der Mitte befindet sich zudem eine „OFF“-Stellung, in welcher die Lampe nicht eingeschaltet werden kann:

Der Mechanismus zum Auseinanderziehen und Verstellen ist anfangs sehr schwergängig. Mit nur einer Hand bekommt man die Lampe nicht verstellt. Anfangs muss man die Lampe also in zwei Hände nehmen (den Kopf in die eine, und den Rest der Lampe in die andere Hand), und dann beherzt und kräftig auseinanderziehen.

Mit der Zeit lockert sich dieser Mechanismus jedoch, so dass es irgendwann auch einhändig geht.

Zusätzlich zur „OFF“-Stellung kann man die Lampe auch durch leichtes Lösen der Tailcap, also der Heckkappe, gegen unbeabsichtigtes Einschalten sichern. Eine Viertelumdrehung reicht bereits. Dies ist der sog. „Tailcap-Lockout“.

Im Auslieferungszustand ist die Batterie zwar schon eingelegt, aber doppelt gegen unbeabsichtigtes Einschalten gesichert – zum einen ist die Tailcap gelöst, zum anderen steht der Kopf auf der „OFF“-Stellung. Zum ersten Leuchten muss man also a) den Kopf auf Weiß oder Farbig stellen, und b) die Tailcap ganz fest zudrehen.

Die Lampe besitzt einen Pocket-Clip, zum Einhängen in die Hosentasche. Dieser Clip ist fest mit der Lampe verbunden, und nicht entfernbar.

Die Lampe in ihre Einzelteile zerlegt.

Sowohl am Kopf als auch am Heck wird die eingelegte Batterie mit Federn gehalten, um eventuelle Stöße (z.B. Rückstoß beim Betrieb der Lampe an einer Schusswaffe) abzufedern.

Hier noch ein Blick auf den Lampenkopf mit dem Verstell-Mechanismus. Es handelt sich nicht um eine klassische Reflektorlampe, sondern um eine TIR-Optik:

Beim Drehen des Lampenkopfes dreht sich die jeweils andere LED in die Mitte der Optik (genauer gesagt, bleiben die LEDs an ihrem festen Platz, und nur die TIR-Optik wird zwischen beiden LEDs hin- und her geschwenkt. Dadurch sitzt diese TIR-Optik auch nie ganz mittig im Lampenkopf. Auf das Lichtbild hat dies allerdings keinen negativen Einfluß; das hat Surefire wieder ganz klasse hinbekommen):

Dadurch, dass auch die farbige LED in der Mitte der Optik sitzt, und sich nicht irgendwo am Rand des Reflektors angeordnet befindet (wie es z.B. bei der Nitecore MH27 der Fall ist), ist bei der Aviator auch das farbige Licht „sauber“ ohne Ringe und ohne Artefakte:

Links die Aviator Rot (auf höchster Helligkeit), rechts die Nitecore MH27.

Und hier zum Schluss noch die Farb-Beams der gesamten Aviator-Collection:

Fazit

Was soll ich sagen? 🙂 Eine tolle Lampe; ich liebe sie. 🙂

Wenn ich mich für eine der vier entscheiden müsste, würde ich die Aviator in Amber wählen. Für mein persönliches Gebrauchsprofil bietet sie die meisten Vorteile: Nachtsichtadaption wie die Aviator in Rot, aber mit besserer Kontrasterkennung. Da ich weder Jäger noch Pilot bin, bringt mir die blaue und gelb/grüne Aviator nur wenig Vorteile (außer dass es cool aussieht 🙂 ).

Weiterführende Links

Beamshots: https://www.lilahand.de/2017/05/16/beamshots-surefire-aviator-serie/

Hier erscheinen außerdem demnächst noch Laufzeitmessungen.

 

6 Gedanken zu „Review Surefire Aviator-Serie

  1. wurczack 13. Mai 2017 at 23:21

    Schönes Review, vielen Dank!
    Alle Surefire Versionen in einem Review findet man sonst nirgends.

  2. happy 14. Mai 2017 at 20:48

    Grandioses Review . Mehr und besser geht nicht. Besten Dank !!

  3. KIM 15. Mai 2017 at 12:43

    Das nenne ich einmal Sammler! Alle 4 Aviator Farben. Ich habe nur einen roten Aviator 🙂 Ein grüner würde mich noch aufgrund der Laufzeit reizen, aber man kann und muß nicht alles auf der Welt haben.

    Sonst muß ich sagen tolles Review. Deine bilder finde ich immer extrem professionell. Für mich als Foto Noob interessant, was man so an Ergebnissen erzielen kann wenn man das Handwerk beherrscht. Wäre mal eine Sache, wenn Du ein Review machst wie Du Deine Produkt- / Reviewbilder machst.

    Wirklich immer ganz großes Kino! *Hutzieh*

    • Markus 15. Mai 2017 at 12:56

      Vielen Dank für die Blumen! 🙂
      Fotografie ist ein reines Hobby von mir. Es war aber ein langer Weg, bis die Fotos so wurden wie sie heute sind. Viele Jahre Üben und stetiges Verbessern gingen dafür ins Land. (Und teilweise sind sie immer noch nicht so, wie ich es gerne hätte.)
      Ein „Making of“-Artikel klingt nach einer guten Idee. Das werde ich bei Gelegenheit mal angehen.

      Interessant ist auch zu hören, dass es tatsächlich noch mehr Leute gibt, die wenigstens einen Aviator ihr Eigen nennen. Glückwunsch! 🙂

  4. uranus 13. Juni 2017 at 20:53

    bei mir sind mittlerweile auch zwei Aviator Lampen eingezogen, eine Amber sowie eine Rote. Sind auf jeden Fall tolle Lampen und jeden Cent wert.

    • Markus 13. Juni 2017 at 21:24

      Prima, noch mehr Aviator-Besitzer! 🙂
      Die grüne Aviator ist übrigens auch cool. Das ist ein ganz „giftiges“ Gelb-grün. So Hulk-mäßig. 🙂 Die Farbe hat so gar nichts zu tun mit dem „üblichen“ Grün, wie man es z.B. in einer SRT7 oder SRT9 findet.

Schreibe einen Kommentar

Name *
E-Mail *
Website