Review Acebeam X45

Einleitung

Vergangene Woche erreichte mich die neue Acebeam X45, welche ich hier nun vorstellen möchte.

Acebeam ist ein chinesischer, und seit vielen Jahren etablierter, Hersteller qualitativ hochwertiger Taschenlampen. Früher firmierte die Firma unter dem Namen „Supbeam“; davor war sie als OEM-Hersteller für Thrunite tätig. So erklärt sich auch die oftmals nicht von der Hand zu weisende optische Ähnlichkeit zu Thrunite-Lampen.

Hier in Deutschland kann man Acebeam-Produkte bei den folgenden drei Online-Händlern beziehen:

Mein Exemplar stammt vom msitc-shop.

Verpackung und Lieferumfang

Doch zurück zur hier vorliegenden Taschenlampe. Geliefert wird sie in einer stabilen, umweltfreundlichen Pappbox (mittlerweile ein zu begrüßender Standard bei vielen Taschenlampen-Herstellern):

Neben der eigentlichen Taschenlampe gehört Folgendes zum Lieferumfang:

Mit dabei sind die zum Betrieb notwendigen vier LiIO-Akkus (bereits in der Lampe eingesetzt), Garantiekarte (Acebeam gibt auf die Lampe 5 Jahre Garantie), ein Lanyard, eine englischsprachige, sowie (sofern man die Lampe in Deutschland kauft) eine deutsche Betriebsanleitung.

Wichtig: es befindet sich kein Ladegerät im Lieferumfang. Die Akkus kann man auch nicht direkt in der Lampe laden (die Lampe bietet keine Lademöglichkeit). Man benötigt also noch zwingend ein passendes LiIO-Ladegerät, welches die Akkus (im Format 18650) laden kann.

Leistungsdaten

Angegeben ist die Lampe mit folgenden Daten (nach ANSI/NEMA FL1 Standard):

  • Maximale Helligkeit: 16500 Lumen
  • Leuchtdichte (Reichweite): 85200 Lux (583 Meter)
  • Größe: 156,7mm (Länge) x 88mm (Kopfdurchmesser) x 50,5mm (Durchmesser am Akkurohr)
  • Gewicht: 700g (inklusive Akkus)

Die Lichtleistung erzeugt die Lampe mit Hilfe von vier CREE XHP70 LEDs.

Wie man dem Aufdruck auf der Verpackung entnehmen kann, gibt es die Lampen in einer kaltweißen Ausführung (6500 Kelvin), sowie in neutralweiß (5000 Kelvin). Die mir vorliegende Lampe ist die kaltweiße Version; die neutralweiße scheint im Moment nirgends lieferbar zu sein.

Die Werksangabe von max. 16500 Lumen erscheint mir glaubhaft. In einer Vergleichsmessung mit einer Thrunite TN36UT (7300 Lumen) und einer Olight X7 (9000 Lumen) ist der von mir gemessene Vorsprung zur Olight X7 sogar größer als der Lumen-Unterschied auf dem Papier: Das Lumen-Verhältnis von X7 zur X45 ist laut Angaben 1,83; der von mir gemessene Faktor ist jedoch sogar 1,85 (die X45 haut 1,85 mal soviel Licht ‚raus wie die X7).

Natürlich ist jedem, der sich mit der Materie auskennt, klar, dass so eine relativ kompakte Lampe die 16500 Lumen nicht dauerhaft halten kann. Die hierbei entstehende Hitze ist einfach zu groß. In den noch kommenden Laufzeitmessungen werde ich darauf eingehen, wie lange die Lampe die verschiedenen Helligkeitsstufen halten kann.

Blick auf die Lampe (im Holster / in der Hand)

Bei dem Holster handelt es sich um ein stabiles, unten offenes Nylon-Holster. Auf der Rückseite befindet sich eine Gürtelschlaufe. Allerdings ist die Lampe am Gürtel schon ein ziemlicher „Oschi“, und man muss aufpassen, dass man damit beim Laufen nicht überall hängenbleibt und anstößt.

Das samt-matte Finish der Lampe hinterlässt einen hochwertig Eindruck; die Anodisierung ist fehlerfrei:

Die Lampe liegt komfortabel in der Hand. Durch den versenkten Einschaltknopf kann es allerdings, gerade mit Handschuhen, im Dunkeln passieren, dass man den Einschalter nicht sofort ertasten kann. Man kann sich allerdings damit behelfen, dass man die Lanyard-Öse auf der Rückseite ertastet (diese hebt sich stärker vom Lampengehäuse ab); der Einschalter liegt dann exakt auf der gegenüberliegenden Seite.

Das Heck der Lampe:

Die Lampe beherrscht natürlich den Tailstand perfekt:

Auf der rückwärtigen Lampenseite (gegenüber des Einschalters) versteckt sich eine versenkte Lanyard-Öse:

Eine nette und erfrischend neue Idee. Dreht man diese Öse um 90 Grad, springt sie nach oben, und man kann das Lanyard einhängen:

Bei meinem Lampenexemplar war diese drehbare Öse anfangs sehr schwer gängig; mit bloßen Fingern konnte ich sie nicht drehen. Hier musste ich beim ersten Mal eine kleine Zange zu Hilfe nehmen.

Bedienung

Vor der ersten Benutzung sind die Sicherungsplättchen der Akkus zu ziehen (und die Akkus voll aufzuladen):

Die Lampe lässt sich durch Aufschrauben am Lampenkopf in drei Teile zerlegen (Kopf, Akkurohr, sowie Akkumagazin). Die Plastik-Plättchen (hier habe ich sie bereits entfernt) verhindern, dass sich die Lampe im Transport unbeabsichtigt einschaltet.

Als die Lampe original-verpackt bei mir ankam, hatten die Akkus eine Spannung von knapp 4,0V (genau waren es 3,99V). Also habe ich sie vor der Benutzung noch voll aufgeladen (volle LiIO-Akkus haben eine Spannung von 4,20V).

Bei den Akkus handelt es sich um vier (hochstromfähige) IMR-Akkus im 18650-Format:

Die Kapazität beträgt 3100mAh.

Die Akkus sind mit einer Schutzschaltung versehen, welche bei Erreichen einer Spannung von 2,5V abschaltet (den Strom unterbricht), um eine Tiefentladung zu vermeiden.

Im Akkukäfig geht es relativ eng zu:

Die Federn am Akkukäfig sind, wenn die Akkus eingelegt sind, komplett zusammengedrückt. Insbesondere bei der Entnahme der Akkus (das Einsetzen geht noch recht komfortabel) muss man aufpassen, dass man nicht die Schutzhülle der Akkus aufreißt.

Allerdings ist das ganze für meine Begriffe noch im „grün-gelben“ Bereich. Als Niwalker-Benutzer habe ich da in der Vergangenheit noch engere Akkukäfige erlebt, wo man die Akkus kaum wieder raus bekommt.

Sind diese Hürden gemeistert, kann das Leuchtvergnügen beginnen. Einziges Bedienelement hierfür ist der elektronische Taster am Lampenkopf:

Durch einen kurzen Druck auf diesen Taster schaltet sich die Lampe ein. Bei dem kleineren Element oberhalb des Einschalters handelt es sich um eine Akku-Kontrollanzeige. Sind die Akkus noch „fit“, leuchtet dieser Ring, solange die Lampe eingeschaltet ist, grün:

Der Betriebsspannungsbereich (also der Spannungsbereich, in dem die Lampe „funktioniert“) reicht von 16,8V (bei randvollen Akkus; es sind ja 4 Akkus mit je 4,20V, die seriell geschaltet sind; ergo 4,2V * 4 = 16,8V) bis 12,0V.

Sobald die Spannung auf 13,0V sinkt, ändert sich die Farbe dieser Kontrollleuchte von grün auf rot. Dies ist das Zeichen, dass die Akkus möglichst bald nachgeladen werden sollten.

Leuchtmodi

Die Lampe bietet drei verschiedene „Helligkeits-Gruppen“:

Gruppe 1: Diese erreicht man, indem man die Lampe mit einem kurzen Druck einschaltet. Innerhalb dieser Gruppe besitzt die Lampe „Mode Memory“; das bedeutet, sie schaltet sich in der zuletzt verwendeten Helligkeitsstufe ein. Ist die Lampe eingeschaltet, wechselt man durch Gedrückt-halten des Schalters durch drei Helligkeitsstufen: Low (500 Lumen für 10 Stunden), Medium (1500 Lumen für 3,5 Stunden), sowie High (4000 Lumen für 1,4 Stunden).

Gruppe 2: Die „Turbo“-Gruppe. Die erste Turbo-Stufe erreicht man durch Doppelklicken (9000 Lumen). Hat man diese Turbo-Stufe erreicht, erreicht man durch noch einen weiteren Doppelklick die zweite Turbo-Stufe, mit 16500 Lumen.

Die 1. Turbo-Stufe mit 9000 Lumen vermag die Lampe für 10 Minuten zu halten. Danach regelt sie, thermisch bedingt, ab auf die 4000 Lumen-Stufe. Die 2. Turbo-Stufe mit 16500 Lumen vermag die Lampe 3 Minuten zu halten, bevor sie ebenfalls auf die 4000-Lumen-Stufe runterschaltet.

Es erfordert einige Übung, die 2. Turbo-Stufe mit 16500 Lumen zu erreichen. Der Doppelklick hierzu darf nicht zu „hastig“ erfolgen. Man muss sich zwischen den beiden Klicks, die den Doppelklick ergeben, etwas Zeit lassen. Ansonsten (wenn man zu schnell hintereinander klickt) geht die Lampe statt dessen einfach aus. Hier muss man einfach ein bisschen üben, bis man den Dreh (und die richtige Zeitspanne) ‚raus hat. Erschwerend kommt hinzu, dass der erste Doppelklick (um die 1. Turbo-Stufe zu erreichen) auch dann funktioniert, wenn man schneller hintereinander klickt. Nur bei dem nächsten Doppelklick, um Turbo 2 zu erreichen, ist das „Timing“ ein anderes. Also erst „schnell“ doppelklicken (für Turbo 1), und dann „langsam“ doppelklicken für Turbo 2.

Außerdem geht bei jedem Doppelklick die Lampe kurz aus, um dann in der Turbo-Stufe zu „zünden“. Die „Turbo“-Bedienung empfinde ich daher nicht ganz so gut gelungen. Dies ist beispielsweise bei der Olight X7 besser gelöst. Dort kommt es beim Doppelklicken nicht so sehr auf das richtige Timing an, und die Lampe geht dabei auch nicht aus (sondern nahtlos in Turbo 1, und dann in Turbo 2 über).

Gruppe 3: Hier „verbirgt“ sich der Firefly-Modus mit 3 Lumen (für 310 Stunden). Diese Stufe erreicht man, indem man bei ausgeschalteter Lampe den Einschalter für ca. 1 Sekunde gedrückt hält.

Die Leuchstufen sind alle ohne PWM realisiert, und sind somit allesamt absolut flimmerfrei (auch z.B. in digitalen Kamera-Suchern und -Displays).

Außerdem hat die Lampe einen Lockout-Modus, in welchem sie vor unbeabsichtigtem Einschalten gesichert ist. Hierzu einfach im ausgeschalteten Zustand den Einschalter für 2 Sekunden gedrückt halten. (Nach einer Sekunde geht der Firefly-Modus an; an dieser Stelle den Knopf einfach weiter gedrückt halten.) Die Lampe quittiert den Lockout-Modus durch zwei kurze Aufblitzer. Anschließend kann die Lampe durch einen einfachen Druck nicht mehr eingeschaltet werden. Zum Entriegeln muss man erneut den Schalter für 2 Sekunden gedrückt halten.

Nun noch ein Blick in den Reflektor und auf die 4 CREE XHP70 LEDs:

Die Reflektoren sind vergleichsweise flach, was für ein sehr breit abstrahlendes Lichtbild sorgt (wie wir in den Beamshots noch sehen werden).

Die LEDs sind sauber zentriert, und (ein nettes, positives Detail) auch sauber zueinander ausgerichtet (gedreht). Sie sind alle „ordentlich“ in einem 45-Grad-Winkel fixiert.

Verglichen mit …

Vergleichen möchte ich die X45 mit zwei anderen Lampen in ähnlicher Bauform, welche ebenfalls mit einer Gruppe von 4 LEDs betrieben werden:

Dies sind von links nach rechts: Thrunite TN40 (4450 Lumen), Acebeam X45 (16500 Lumen), Fenix TK75 (4000 Lumen).

Obwohl die X45 von diesen drei Lampen die höchste Helligkeit liefert, so liefert sie doch die geringste Reichweite von den dreien. Der Grund liegt im Verhältnis der LED-Größe zum Durchmesser des Reflektors. Je größer dieses Verhältnis (also je kleiner die LED, und/oder je größer der Reflektor), desto stärker vermag der Reflektor das Licht der LED zu bündeln, was in eine höhere Reichweite resultiert.

Die CREE XHP70 LEDs haben eine sehr große Fläche. Dadurch können sie zwar viel Licht abgeben (eine hohe Lumenzahl), aber der Reflektor müsste dann eben auch entsprechend größer ausfallen, damit er das Licht der XHP70 LEDs genauso stark bündeln könnte wie bei anderen, kleineren LEDs. Die Fenix TK75 verwendet XM-L2 LEDs, und die Thrunite TN40 XP-L Hi LEDs. Beide LEDs besitzen eine kleinere Grundfläche.

Dies kann man gut an den folgenden Feuerwehrturm-Beamshots erkennen. Die „eingeblendeten“ Reflektor-Köpfe der Lampen sind maßstabsgetreu; d.h. direkt untereinander vergleichbar:

Acebeam X45:

Fenix TK75:

Thrunite TN40:

Ausschnittsvergrößerung (gleiche Reihenfolge):

Fazit

Positiv:

  • Brachiale, beeindruckende Lichtleistung
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Noch kompakte Ausmaße der Lampe (kleiner als Fenix TK75)
  • Firefly-Modus (sehr niedrige Leuchtstufe)

Neutral:

  • Durch das extrem flutlastige Lichtbild nur bedingt einsetzbar als Allrounder

Negativ:

  • „Doppelte Doppelklick-Turbo“-Bedienung etwas missglückt
  • Lichtfarbe nicht besonders schön. In der Mitte leicht grünstichig, zum Rand hin leicht blaustichig (die Lichtfarben driften sogar stärker auseinander als bei der Olight X7). Erinnert ein bisschen an die ersten Exemplare der Thrunite TN36UT.

Weiterführende Links

Beamshots: https://www.lilahand.de/2017/05/01/beamshots-acebeam-x45-vs-nitecore-tm28-niwalker-mm18ii-olight-x7-noctigon-meteor-m43/

Laufzeitmessungen: https://www.lilahand.de/2017/05/07/laufzeitmessungen-acebeam-x45/

 

5 Gedanken zu „Review Acebeam X45

  1. Aladin aus dem TLF 30. April 2017 at 21:10

    Hallo Markus,
    kleine Ergänzung zu Deiner Händlerliste: Die X45 gibt es in Deutschland auch bei Kopterdreams.de.
    Gruß
    Aladin

  2. Markus 30. April 2017 at 21:14

    Danke! 🙂

    Viele Grüße,
    Markus

  3. Paule 4. Mai 2017 at 10:36

    Coole Handschuhe! Neu?

  4. Markus 4. Mai 2017 at 10:40
  5. Lucifer 16. Juli 2017 at 17:24

    Herzlichsten Dank für diese gewohnt aufschlussreiche Besprechung mit Grüssen – Michael

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