Review EagTac MX30L4-C mit XP-L Hi- sowie Nichia 219-LEDs

Einleitung

Heute stelle ich die EagTac MX30L4-C vor, und zwar in zwei unterschiedlichen LED-Ausprägungen:

Links ist die Variante mit 4* XP-L Hi LEDs in Kaltweiß, und rechts mit 4* Nichia 219 High CRI LEDs in Neutralweiß.

Der Unterschied zwischen beiden LED-Varianten ist, dass die Version mit XP-L Hi LEDs mit 4005 ANSI-Lumen zwar etwas heller ist, die mit den Nichia 219-LEDs (und insgesamt 2915 ANSI-Lumen) mit einem CRI-Wert von 92 jedoch die bessere Farbwiedergabequalität bietet.

Leuchtet man mit beiden Varianten „meinen“ Feuerwehrturm in 120 Metern Entfernung an …

… fällt einem (neben der geringeren Helligkeit) erst mal die „gelblichere“ Lichtfarbe der Nichia 219-Variante auf. Dies kommt daher, weil die Nichia 219-Variante eine Farbtemperatur von 4000 Kelvin hat, und damit von der Lichtfarbe her näher bei Glühbirnenlicht anzusiedeln ist. Bei der XP-L Hi-Variante macht EagTac keine Angaben zur Farbtemperatur; sie dürfte jedoch um die 6000 Kelvin betragen.

Der Vorteil der Nichia 219-LEDs liegt jedoch bei der besseren Farbwiedergabe. Dies wird offensichtlich, wenn man (wie jetzt im Frühling, wo alles anfängt zu blühen) im Dunkeln durch den Wald spaziert, und die Natur mit den Lampen anleuchtet. Bei der Version mit den kaltweißen XP-L Hi LEDs hat man eine schlechtere Darstellung und Differenzierung von Farben:

Während mit der Variante mit den Nichia 219-LEDs alles natürlicher aussieht:

Leider beeinflusst eine erhöhte Farbwiedergabequalität die Effizienz von LEDs negativ. Das bedeutet, dass LEDs mit einer schlechteren Farbwiedergabequalität dafür (zum Teil sogar wesentlich) heller sein können. Dies kann man schön an den Feuerwehrturm-Beamshots erkennen.

Für welche Variante man sich entscheidet, bleibt letztendlich Geschmackssache. Ich für meinen Teil bevorzuge im Frühling/Sommer/Herbst Lampen mit Nichia 219-LEDs, wenn ich im Dunkeln durch die Natur streife. Hier sind die Farben einfach schöner. Im Winter hingegen (wo es sowieso nichts Buntes zu sehen gibt) greife ich eher zu den Lampen mit kaltweißen LEDs.

Verpackung und Lieferumfang

Kommen wir nun zum Lieferumfang der Lampen. Dieser ist bei beiden Varianten der Lampe identisch (die Lampen unterscheiden sich wirklich nur in den verbauten LEDs). Mitgeliefert wird neben der Lampe eine Anleitung, ein Lanyard, Ersatz-O-Ringe, sowie vier Einsätze für das Akkufach, damit man die Lampe statt der benötigten 18650-LiIO-Akkus auch mal mit herkömmlichen CR123A-Batterien betreiben kann.

Die Lampen gibt es in sog. Basis- und Kit-Versionen; hier in Deutschland sind jedoch nur die Kit-Versionen erhältlich. Diese haben gegenüber der Basisversion folgenden zusätzlichen Lieferumfang: Ein Holster, ein Aufsteck-Klapp-Diffuser, eine spezielle Endkappe mit einem eigenen Ein/Ausschalter, und einem Bezelring am Lampenkopf.

Wichtig: auch bei der Kit-Variante sind im Lieferumfang nicht die zum Betrieb benötigten LiIO-Akkus im 18650-Format enthalten. Auch eine interne Lademöglichkeit bieten diese Lampen nicht. Zum Betrieb muss man also noch vier (am besten geschützte) 18650-Akkus, sowie ein passendes, externes LiIO-Ladegerät parat haben.

Bei dem Holster handelt es sich um ein stabiles und unten offenes Nylon-Holster:

Die Lampen beherrschen (auch in der Variante mit dem extra Ein/Ausschalter am Lampenheck) den Tailstand perfekt:

Leistungsdaten

Die Leistungsdaten der Lampen sind wie folgt:

4* XP-L Hi Variante:

  • Maximal 4005 ANSI-Lumen, bei einer Laufzeit von 1,5 Stunden auf der höchsten Stufe
  • Leuchtdichte: 100800 Lux, was einer Reichweite nach ANSI/NEMA FL1 Norm von 635 Metern entspricht

4* Nichia 219-Variante:

  • Maximal 2915 ANSI-Lumen, ebenfalls bei einer Laufzeit von 1,5 Stunden auf der höchsten Stufe
  • 49500 Lux, entspricht einer Reichweite von 445 Metern

Beiden Lampen gemein sind folgende Werte:

  • Größe: 62mm (Kopfdurchmesser) * 52mm (Durchmesser am Akkurohr) * 143mm (Länge)
  • Gewicht: 418 Gramm

Eine Besonderheit der EagTac MX30L4-C gegenüber anderen Multi-Emitter-Lampen (so bezeichnet man Lampen mit mehreren LEDs) ist, dass bei der MX30L4-C jede LED einen eigenen, vollständigen Reflektor besitzt:

Bei anderen Multi-Emitter-Lampen teilen sich die LEDs oftmals (zumindest teilweise) den Reflektor, oder die Reflektoren sind nicht vollständig ausgeführt, sondern vereinen sich in der Mitte. Dies ist zwar platzsparender, jedoch weisen solche Lampen ein etwas unregelmäßiges Lichtbild auf: am Rand des Lichtbildes stellt sich der sog. Eselsohren-Effekt ein. Dies kann man z.B. bei den Beamshots der Fenix TK75 erkennen.

Bedienung

Bedient wird die Lampe durch die beiden elektronischen Schalter am Lampenkopf:

Aus dem ausgeschalteten Zustand heraus kann man mit beiden Schaltern die Lampe einschalten. Mit dem weißen Knopf schaltet man die Lampe im niedrigsten Helligkeitsmodus ein; mit dem schwarzen Knopf im höchsten Helligkeitsmodus.

Die Lampen haben 5 Leuchtstufen. Das Durchschalten der Leuchtstufen geschieht im eingeschalteten Zustand durch Drücken der weißen Taste; bei jedem Druck der weißen Taste schaltet die Helligkeit eine Stufe weiter. Die Schaltreihenfolge ist dabei von niedrig nach hoch.

Durch einen Druck auf den schwarzen Taster schaltet man die Lampe wieder aus.

Sondermodi wie Strobe sind ebenfalls vorhanden; diese erreicht man durch Drücken, Loslassen und erneutes Drücken mit anschließendem Festhalten des schwarzen Schalters.

Außerdem gibt es noch eine Momentlicht-Funktion auf der höchsten Stufe: Hält man den schwarzen Taster im ausgeschalteten Zustand gedrückt, leuchtet die Lampe mit „Vollgas“. Sobald man den schwarzen Taster wieder loslässt, geht die Lampe wieder aus.

Bei der Kit-Version der Lampe dupliziert der zusätzliche Schalter am Heck den schwarzen Seitenschalter. Statt den schwarzen Seitenschalter kann man also auch den Schalter am Heck der Lampe betätigen, um die Lampe auf Vollgas einzuschalten, bzw wieder auszuschalten.

Mode Memory hat die Lampe nicht. Die Lampe erinnert sich also nicht an die zuletzt verwendete Leuchtstufe.

Unter dem weißen Taster verbirgt sich auch eine Akku-Zustandsanzeige: nach dem Einschalten, sowie nach dem Wechsel auf eine andere Helligkeit, gibt der Taster mit blauen Blinkzeichen Auskunft über den Akkuzustand. Dabei gilt: bei 4* Blinken sind die Akkus voll. Irgendwann blinkt die Lampe dann nur noch 3*, dann 2*, und dann nur noch 1*. Blinkt die Lampe nur noch 1*, ist Nachladen der Akkus angeraten.

Die 5 Leuchtstufen sind wie folgt angegeben:

4* XP-L Hi Variante:

  • 4005 Lumen für 1,5 Stunden
  • 2210 Lumen für 2,5 Stunden
  • 1040 Lumen für 6 Stunden
  • 179 Lumen für 35 Stunden
  • 26 Lumen für >300 Stunden

4* Nichia 219 Variante:

  • 2915 Lumen für 1,5 Stunden
  • 1640 Lumen für 2,5 Stunden
  • 762 Lumen für 6 Stunden
  • 132 Lumen für 35 Stunden
  • 20 Lumen für >300 Stunden

Diese Laufzeiten gelten für den Betrieb mit vier 18650-Akkus mit einer Kapazität von je 3500mAh.

Die niedrigen Leuchtstufen sind nicht mit PWM realisiert, sondern sind absolut flimmerfrei.

Die Helligkeitsstufen empfinde ich als gut abgestuft. Die zweithöchste Stufe ist nicht wesentlich dunkler als die höchste Stufe (dies ist oftmals ein Kritikpunkt bei anderen Lampen, wo die zweithöchste Stufe bereits deutlich dunkler ist).

Lediglich ein noch dunkleres Low (mit 5 Lumen) würde ich begrüßen.

Dies ist die Lampe mit aufgesetztem Klapp-Diffuser:

Den Effekt dieses Diffusers kann man auf den Beamshot-Bildern betrachen.

Schraubt man den Deckel am Heck ab, erhält man Zugriff auf den Schacht für die Akkus:

Das Gewinde ist gut gefettet und läuft satt, sauber und ohne Kratzen.

Wie ich schon schrieb, gehören die Akkus nicht zum Lieferumfang der Lampe. Ich betreibe die Lampen mit geschützten Akkus von EagTac mit einer Kapazität von 3500mAh.

Wie man der Beschriftung im Deckel entnehmen kann, kommen die Akkus jeweils über Kreuz mit dem Pluspol nach unten, und die anderen beiden mit dem Pluspol nach oben in die Lampe.

Egal welche Akkus man verwendet, sie sollten einen erhabenen Pluspol haben, damit ein mechanischer Kontakt zustande kommt. Die Pluspol-Kontakte in der Lampe und im Deckel sind leicht versenkt. Dabei handelt es sich um einen mechanischen Verpolungsschutz. Führt man die Akkus verkehrt herum ein, kommt kein Kontakt zustande.

Obligatorische Hochglanzfotos und „Lampe in der Hand“-Bilder

Die Lampe liegt gut in der Hand, und ist noch vergleichsweise kompakt. Allerdings handelt es sich hier nicht mehr wortwörtlich um eine „Taschenlampe“. Die Lampe wird man wohl eher im Holster, oder ggf. in einer (ausreichend großen) Jackentasche transportieren.

Allerdings ist die Lampe nicht gerade „handschuhfreundlich“. Die Taster am Lampenkopf sind im Gehäuse versenkt, und gerade mit Handschuhen hat man Mühe, die Buttons im Dunkeln zu ertasten. (Hier kann man sich jedoch mit dem zusätzlichen Taster am Lampenheck behelfen; diesen findet man auch im Dunkeln immer.) Außerdem ist das Knurling am Akkurohr nicht sonderlich stark ausgeprägt, so dass die Lampe bei einem rauhen Einsatz u.U. nicht griffig genug in der Hand liegt. Insgesamt ist die Lampe eher von der filigranen Art. Es gibt andere Lampen, die eher den Eindruck einer robusten „Männer-Arbeitslampe“ machen (wie z.B. die Nextorch Saint Torch 10).

Verglichen mit …

In meiner Beamshot-Serie zu dieser Lampe habe ich sie mit ein paar anderen Nichia 219 LED-Lampen von EagTac verglichen.

Laufzeitdiagramm?

Die Lampen sind ausgezeichnet geregelt. Allerdings haben die Lampen keine echte Temperatursteuerung, wie es bei anderen neuen Lampen von EagTac der Fall ist. Beim Einschalten auf Vollgas sorgt ein Timer dafür, dass die Lampen die Leistung nach 2 ½ Minuten auf 85% drosseln (also auf 3325 ANSI-Lumen für die XP-L Hi-, und 2440 ANSI-Lumen für die Nichia 219-Variante), um die gröbsten Überhitzungen zu vermeiden.

Diese 85% halten die Lampen dann konstant bis zum Akkuende. Unterschreiten die Akkus eine Gesamtspannung von 10V, schalten die Lampen sauber ab (um eine Tiefentladung der Akkus zu vermeiden).

(Die vier Akkus sind seriell verschaltet. Das bedeutet, die Lampe läuft mit einer Maximalspannung von 16,8V, sofern man sie mit vier 18650-Akkus betreibt. Die Abschaltspannung von 10V bedeutet, die Akkus werden bis zu einer Spannung von 2,5V entladen.)

Auch auf 85% der Maximalleistung heizen sich die Lampen jedoch enorm auf, sofern nicht für eine ausreichende Kühlung gesorgt wird. In der Hand erreichen die Lampen nach 20 Minuten auf Dauer-Vollgas u.U. locker Temperaturen von über 80 Grad. Dieser Belastung möchte ich meine Lampen in einem Laufzeittest nicht aussetzen. In der Praxis bedeutet dies, dass man die Lampen nicht einfach irgendwo hinstellt, und dann unbeaufsichtigt auf Vollgas laufen läßt. Hier ist die verantwortungsvolle Bedienung der Anwender gefragt – wenn man merkt, dass die Lampe in der Hand unerträglich heiß wird, sollte man aus Vernunftsgründen eine Stufe niedriger schalten.

Fazit

Positiv:

  • Bei der XP-L Hi-Version sehr hohe Helligkeit und Reichweite für die Größe der Lampe (bei solch kompakten Lampen hat man üblicherweise die Wahl entweder zwischen hoher Helligkeit oder hoher Reichweite, aber nicht beides zusammen).
  • Sehr gute Farbwiedergabe bei der Nichia 219-Variante.

Neutral:

  • Die Lampe ist zwar ganz ausgezeichnet geregelt (hat kurz vor dem Akkuende immer noch 85% der Maximalhelligkeit), und schaltet am Ende sauber ab, um die Akkus nicht tiefzuentladen. Allerdings würde ich mir eine echte Temperatursteuerung (die dann notfalls auch stärker abregelt) wünschen, um eventuelle Beschädigungen der Lampe durch Überhitzen zu vermeiden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für die Lampe „gesund“ ist, sie ohne Kühlung komplett im Dauervollgas durchlaufen zu lassen.
  • Mit einem Preis von 200 Euro ist die Lampe nicht ganz billig. Auf der anderen Seite ist sie, so finde ich, ihr Geld absolut wert. Außerdem kosten vergleichbare Lampen von anderen Markenherstellern ähnlich viel, wenn nicht sogar mehr.
    Man muss jedoch auch noch den Preis für Akkus und Ladegerät mit einplanen. Dies kann durchaus nochmals mit 150 Euro zu buche schlagen, wenn man auf hochwertige und sichere Produkte Wert legt (gerade bei der LiIO-Akku- und -Ladetechnik sollte man nicht unbedingt zu den billigsten Angeboten greifen).

Negativ:

  • Lampe wirkt insgesamt etwas filigran, und ist vermutlich nicht für einen rauen Dauereinsatz geeignet. Die Tasten sind unter „erschwerten“ Bedingungen (z.B. mit Handschuhen) nicht gut ertast- und bedienbar.

Weiterführende Links

Beamshot-Vergleiche mit anderen Nicha 219-Lampen von EagTac: https://www.lilahand.de/2017/04/09/eagtac-nicha-beamshot-shootout/

Weitere EagTac Beamshots: https://www.lilahand.de/2017/05/04/beamshot-vergleich-eagtac-mx30l3-xhp50-nw-oder-mx30l4c-nichia/

Ein Gedanke zu „Review EagTac MX30L4-C mit XP-L Hi- sowie Nichia 219-LEDs

  1. Hausmeister 25. April 2017 at 15:10

    Wow, wie gewohnt eine Klasse Vorstellung von tollen Lampen.

    Die Nichia Version finde ich besonders interessant – schöner wäre es noch, wenn Eagtac diese Lampe mit 3 Akkus bauen würde. Ansonsten wohl eine super Lampe in Richtung Allrounder.

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