Review LEDLenser MT18

Einleitung

Die Firma LEDLenser (ein deutscher Hersteller mit Sitz in Solingen) ist einer der wenigen Markenhersteller, die Zoom-Lampen herstellen (das sind Lampen, bei denen man die Optik zwischen Nah- und Fernbereich verstellen kann). Die meisten anderen Hersteller spezialisieren sich auf Lampen mit feststehenden Reflektoren (im Folgenden einfach „Reflektorlampen“ gennant). Meine Mutmaßung, wieso das so ist, werde ich im Verlauf dieses Reviews zum Besten geben.

(Andere, mir bekannte, Markenhersteller von Zoomlampen sind MTE, Wolf Eyes, Nextorch (kein Anspruch auf Vollständigkeit)).

Die Firma LEDLenser legt u.A. größten Wert auf Support. So bietet LEDLenser (bei Registrierung der gekaufen Produkte auf deren Webseite) ganze 7 Jahre Garantie.

Verpackung und Lieferumfang

Geliefert wird die Lampe in einer aufwändig gestalteten Verpackung (mein Exemplar hat leider im Paket an der oberen linken Ecke eine leichte Delle abbekommen):

Beim Aufklappen der Box findet man folgenden Inhalt:

Im vorderen Teil findet sich die Lampe:

Im hinteren Teil (mit „Accessories“ beschriftet) folgendes Zubehör:

Handbuch/Garantiekarte, der wiederaufladbare, proprietäre Akku (da werden wahrscheinlich drei LiIO 18650-Rundzellen drin stecken), Lademöglichkeit für die Steckdose, sowie noch ein separates USB-Kabel, damit man die Lampe auch am PC aufladen kann.

Außerdem ist ein Lanyard dabei.

Die Anleitung besteht übrigens ausschließlich aus (gut verständlichen) Piktogrammen. Ein schlauer Trick – so erspart sich der Hersteller die Übersetzung in die jeweiligen Landessprachen. 🙂

Leistungsdaten

Die Lampe wird mit drei LEDs betrieben, die insgesamt maximal 3000 ANSI-Lumen liefern. Welche LEDs verbaut sind, gibt der Hersteller nicht preis (er nennt sie „Xtreme LEDs“). Ich vermute mal, da stecken drei CREE XP-L LEDs drin.

Die Lampe hat drei wählbare Leuchtstufen High: 3000 Lumen, Mid (exakte Helligkeit nicht angegeben), Low: 30 Lumen.

Die Leuchtweite nach ANSI (in welcher Entfernung noch Mondscheinlicht mit einer Leuchtdichte von 0,25 Lux ankommt) beträgt 540 Meter.

Der LiIO-Akku hat eine Nennspannung von 3,7V, und einen Energieinhalt von 37,74 Wattstunden. (Ergo stecken drei 18650-LiIO-Zellen mit einer Einzelkapazität von 3400mAh in dem Akkupack. Die Akkus sind parallel verschaltet.)

Die Größe der Lampe beträgt 171mm (Länge) * 86mm (Kopfdurchmesser). Die Lampe wiegt ohne Batterien 620 Gramm.

Angaben zur Wasserdichtigkeit: Schutzklasse IPX4; geschützt gegen Spritzwasser.

Zusammenbau und Bedienung

Vor dem ersten Leuchten ist ein wenig Lego angesagt. Der Akku muss irgendwie rein in die Lampe:

„Das Runde muss ins Eckige“. Oder umgekehrt.

Mein erster Versuch war, den Akkustecker mit dem Stecker der Lampe zu verbinden, und den Akku „kopfüber“ im Akkurohr zu versenken:

Anschließend habe ich verzweifelt versucht, die Endkappe draufzuschrauben. Funktionierte natürlich nicht (das Gewinde der Endkappe greift nicht).

Letztendlich half ein Blick in die Anleitung (Notiz an mich: selbst nach 1000 Lampen weiß man längst nicht alles) wird klar: der Akku gehört andersherum rein. Das Kabel seitlich am Akku vorbeiführen, und dann erst, wenn der Akku eingelegt ist, den Stecker mit dem Akku verbinden:

Dann klappt es auch mit dem Deckel:

Die Lampe beherrscht natürlich auch den „Tailstand“:

Und speziell der Lampenkopf ist ein echter Hinkucker:

Vor dem Leuchtvergnügen muss noch der Akku geladen werden. Hierzu befindet sich am Akkurohr, unter einer Gummilippe versteckt und geschützt, der Anschluss für den Hohlstecker des Ladegeräts:

Während dem Ladevorgang leuchtet der Schalter der Lampe rot:

Ist der Ladevorgang abgeschlossen, ändert sich die Farbe auf Grün:

Während dem Betrieb der Lampe fungiert diese farbige LED auch als Akku-Zustandskontrolle: nach jedem Einschalten leuchtet dieser Schalter für zwei Sekunden, und kann drei verschiedene Farben annehmen: grün (Akku voll), gelb (Akku halb leer), sowie rot (Akku demnächst wieder aufladen). Kurz vor dem absoluten Akkuende blinkt diese LED dann auch rot.

Neben dem reinen Ein- und Ausschalten dient der Seitenschalter noch zum Einstellen der Helligkeit. Hier wurde eine Bedienung im Niwalker-Stil (z.B. Niwalker MM25MB) realisiert. (Diese Art der Bedienung wurde schon bei der Niwalker-Lampe mehrfach kritisiert.) Die Helligkeit kann man nur in den ersten 1-2 Sekunden nach dem Einschalten einstellen. Drückt man nach dem Einschalten den Schalter innerhalb dieser Zeit erneut, so schaltet die Lampen die drei verfügbaren Helligkeiten durch. Wartet man zu lange, schaltet ein weiterer Druck auf den Schalter die Lampe wieder aus. Schaltet man die Lampe versehentlich ein, und will sie sogleich wieder ausschalten, muss man entweder diese 1-2 Sekunden abwarten, oder man drückt den Schalter noch drei weitere Male, dann schaltet sich die Lampe nach dem 3. Betätigen wieder aus (die ersten zwei Betätigungen interpretiert die Lampe als Umschalten der Helligkeit).

 

Die niedrigen Leuchstufen, sowie das automatische, timergesteuerte Abregeln der Lampe, sind durch PWM realisiert.

 

Die Lampe hat drei verschiedene Betriebsmodi: im (voreingestellten) Modus 1 schaltet sich die Lampe in der höchsten Helligkeitsstufe ein; durch wiederholtes Drücken des Einschalters landet man dann zunächst im mittleren, und dann anschließend im niedrigsten Helligkeitsmodus.

Im Modus 2 ist die Reihenfolge genau umgekehrt: die Lampe schaltet sich auf Low ein, und man schaltet weiter auf High.

Im Modus 3 ist die Reihenfolge wieder wie in Modus 1, mit dem Zusatz, dass man im eingeschalteten Zustand der Lampe den Einschalter gedrückt halten kann, um Strobe zu aktivieren.

Zwischen diesen drei Modi wechselt man, wenn man im ausgeschalteten Zustand den Einschalter lange gedrückt hält. Nach 10 Sekunden gedrückt halten blinkt die Lampe zunächst 1x auf (um den Modus 1 zu signalisieren). Lässt man an dieser Stelle den Einschalter los, aktiviert sich Modus 1. Hält man den Schalter hingegen weiterhin gedrückt, so blinkt die Lampe nach weiteren 3 Sekunden zweimal auf. Läßt man hier los, hat man Modus 2 aktiviert. Ganz analog verhält es sich mit Modus 3: einfach noch länger gedrückt halten, dann blinkt die Lampe nach weiteren 3 Sekunden 3x auf.

Die Lampe hat außerdem einen „Lockout Mode“, in dem die Lampe gegen unbeabsichtigtes Einschalten gesichert wird. Hierzu muss man den Einschalter für 19 Sekunden (!) gedrückt halten. Da sage ich aber, in der Zeit habe ich auch den Deckel abgeschraubt und den Stecker vom Akku gezogen.

 

Die Bedienung empfinde ich, offen gesagt, insgesamt als nicht sehr gelungen. Es existiert keine Möglichkeit, die Lampe gezielt wahlweise im hellsten oder im dunkelsten Modus einzuschalten. Man muss dazu vorher immer erst den „richtigen“ Modus programmieren.

 

Das Lichtbild zwischen Nah und Fern verstellt man durch Vor- und Zurückschieben des Lampenkopfes:

Zusammengeschoben (für Flutlicht):

Auseinandergezogen (für Fernlicht):

Der Verstellbereich ist nicht sonderlich groß, und zudem auch etwas schwer gängig. Nur mit Mühe kann man die Verstellung einhändig durchführen. Gefühlvoller (so dass man auch Zwischenstufen einstellen kann) klappt es mit zwei Händen.

Am Lampenkopf befinden sich drei kleine Öffnungen:

Durch diese kann die Luft entweichen und eindringen, wenn man den Zoom verstellt (durch das Verstellen ändert sich ja das Volumen des Lampenkopfes, und die eingeschlossene Luft muss dazu ausgeglichen werden).

Durch diesen Verstellmechanismus können Zoomlampen nie vollständig wasserdicht sein, wie es bei Lampen mit festen Reflektoren üblicherweise der Fall ist. Daher ist die MT18 auch nur als „spritzwassergeschützt“ angegeben. Regen kann jedoch nicht eindringen, und auch in kurzes Untertauchen in Wasser übersteht die Lampe.

Obligatorisches Hochglanzfoto und „Lampe in der Hand“-Bild

Die Lampe liegt gut in der Hand, und ist gut ausbalanciert. Der Ein-/Ausschalter steht deutlich hervor, und ist auch mit Handschuhen gut ertastbar.

Allerdings ist das Akkurohr recht glatt, und nicht besonders grifffest. Ich habe beim Tragen immer ein bisschen das Gefühl, als könnte mir die Lampe jeden Moment aus der Hand rutschen.

Bei dem Schalter handelt es sich um einen elektronischen Schalter, und keinen mechanischen „Clicky“. Die Haptik des Schalters ist einigermaßen ok. Kein Vergleich mit dem knackigen Schalter einer Nextorch Saint Torch 10 (mein persönliches Nonplusultra in Sachen Schaltergefühl), aber immer noch um Welten besser als dieser zweistufige Schalter der Nitecore TM28.

Verglichen mit …

Vergleichen möchte ich die MT18 mit einer herkömmlichen Reflektorlampe, und zwar einer Fenix TK75, Modell 2015:

Dieser Vergleich bietet sich einfach durch die sehr ähnliche Bauform an. Dies geht bis hin zum silbernen Ring am Lampenkopf. 🙂

Die Fenix TK75 ist angegeben mit 4000 ANSI-Lumen (bei der LEDLenser MT18 sind es 3000 ANSI-Lumen).

Dies ist mehr ein allgemeiner Vergleich zwischen Zoom- und Reflektorlampen statt ein Vergleich zwischen diesen beiden speziellen Lampen. Da die Lampen aber ähnliche Bauformen haben, kann man sehr gut die prinzipbedingten Unterschiede zwischen Zoom- und Reflektorlampen erläutern.

Zum Einen ist da die Mehrleistung der Fenix TK75. Dies ist deshalb möglich, da im Reflektor der TK75 eine LED mehr Platz hat. Bei Reflektorlampen können sich mehrere LEDs den Reflektor teilen; bei Zoomlampen mit mehreren LEDs benötigt jedoch jede LED ihre eigene Zoom-Optik. So haben in gleich großen Lampenköpfen bei Zoomlampen weniger LEDs Platz; oder (anders herum) bei der gleichen Anzahl von LEDs müsste der Lampenkopf der Zoomlampe größer sein als der einer vergleichbaren Reflektorlampe.

Die (üblicherweise vorhandene) Mehrleistung von Reflektorlampen ggü. Zoomlampen rührt zusätzlich daher, dass durch die bewegliche Zoom-Optik die thermische Anbindung der LEDs an den Lampenkopf quasi nicht vorhanden ist. LEDs (gerade helle LEDs) geben auch eine große Menge Hitze ab. Diese Hitze muss möglichst gut von der LED abgeführt und über den Lampenkopf verteilt und abgegeben werden, damit die LED nicht den frühen Hitzetod stirbt. Bei beweglichen Zoom-Optiken ist dies eben nicht so gut möglich. So haben Zoomlampen verglichen mit ihren Reflektorlampen-Counterparts i.d.R. weniger Lumen, und müssen die Leistung im Betrieb auch thermisch bedingt wesentlich früher und stärker abregeln als Reflektorlampen. Dies wird auch der (noch kommende) Laufzeitvergleich zeigen, dass die MT18 in der Leistung ziemlich früh ziemlich stark „einknickt“.

Drittens strahlen LEDs ihr Licht nicht nur nach vorne ab, sondern auch zu den Seiten hin. Der Reflektor einer Reflektorlampe kann dieses seitliche „Streulicht“ auffangen und nach vorne werfen. Bei Zoomlampen hingegen „verpufft“ dieses seitliche Licht innerhalb des Lampenkopfes, und die vorne angebrachten Optiken fangen nur das Licht auf, das die LEDs nach vorne abstrahlen. So haben Reflektorlampen in gleicher Größe üblicherweise sogar eine höhere Reichweite als Zoomlampen in der Fernlicht-Einstellung!

Last not least, kann so eine verstellbare Optik auch niemals so robust wie ein unbeweglicher Reflektorkopf sein, und ist auch nicht wasserdicht zu gestalten.

Die Bedienung funktioniert bei Reflektorlampen auch schneller, da man schneller zwischen nah und fern wechseln kann – eine Reflektorlampe kann gleichzeitig nach und fern leuchten, während eine Zoomlampe immer nur das eine oder das andere kann, und man zusätzlich zum Ausrichten des Lichtstrahls der Lampe bei einer Zoomlampe auch immer noch die Zoomoptik nachführen muss:

Dies ist die LEDLenser MT18:

Und dies die Fenix TK75:

Mit der Fenix TK75 kann man viel schneller zwischen Nah- und Fernsicht umschalten.

Kurzum, Reflektorlampen sind robuster, und leuchten heller und weiter, bei weniger Materialaufwand. Vermutlich deshalb konzentrieren sich die meisten Taschenlampenhersteller auf Reflektorlampen.

Natürlich haben Zoomlampen auch ihre Vorteile. Diese wären:

  • Ein homogeneres Lichtbild im Nahbereich.
    Bei Reflektorlampen hat man im Nahbereich immer diese helle Stelle im Mittelpunkt des Lichtstrahls.
    Man kann sich da bei Reflektorlampen aber auch behelfen, indem man diese hellste Stelle nicht direkt vor die eigenen Füße zeigen läßt. Statt dessen hält man eine Reflektorlampe im Nahbereich so, dass der Spot etwas von einem weg zeigt, und der Boden vor den eigenen Füßen eher mit dem Spill ausgeleuchtet wird.
  • Vermeidung von Eigen- und Fremdblendung.
    Hier sehe ich den größten Vorteil von Zoomlampen. Will man beispielsweise in einer Straße der Länge nach etwas in der Ferne anleuchten, kann man es bei einer Reflektorlampe kaum vermeiden, dass man dabei mit dem Spill seitlich in die Fenster der Häuser leuchtet. Bei einer Zoomlampe ist der Lichtstrahl begrenzt, und strahlt nicht oder nur kaum zu den Seiten hin ab.
    Das gleiche gilt für die Eigenblendung, wenn man z.B. im Wald zwischen zwei nahen Bäumen hindurchleuchten möchte. Hier blendet man sich mit einer Reflektorlampe, da der Spill die Bäume erfaßt, wenn man mit dem Spot durch die Bäume hindurchzielt.

Fazit

Zu Zoomlampen habe ich ein angespanntes Verhältnis. In der Regel ziehe ich Reflektorlampen vor (sind einfach leistungsfähiger, und – so finde ich – einfacher zu bedienen). Wenn es jedoch eine Zoomlampe sein muß, würde ich in jedem Fall zu einer von LEDLenser greifen. Die Lampen sind optisch ein Augenschmaus, und sehr gut durchdacht und konstruiert. Für die prinzipbedingten technischen „Defizite“ von Zoomlampen kann der Hersteller nichts.

Weiterführende Links

Beamshots: https://www.lilahand.de/2017/04/03/beamshots-ledlenser-mt18-vs-fenix-tk75-mod-2015/
Laufzeitdiagramme: https://www.lilahand.de/2017/04/05/laufzeitdiagramm-ledlenser-mt18-vs-fenix-tk75-mod-2015/

 

3 Gedanken zu „Review LEDLenser MT18

  1. Boverm 2. April 2017 at 16:36

    Danke Markus für dein Review.
    Den Absatz mit Eigenblendung spricht mir aus der Seele.
    Beim Geocachen kommt derzeit eine M43 mit Nichia und für die Fernsicht eine gemoddete Warsun X50 (mit ordentlich Lux) mit. Die passt locker in die Tasche und genau aus dem von dir genannten Punkt kommt sie mit in den Wald.

  2. KIM 4. April 2017 at 19:10

    Schönes Review, aber vielleicht ist es sinnvoll so Sachen wie PWM in einem Glossar erklärt werden, da musst Du dann nicht in jedem Review bestimmte Begriffe erklären.

    Ist aber nur so eine Idee…

    • Markus 4. April 2017 at 19:15

      Danke, das ist eine sehr gute Idee! Ich werde dies bei Gelegenheit umsetzen.

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