Review Nextorch Saint Torch 10

Heute stelle ich die Nextorch Saint Torch 10 vor.

Geliefert wird die Lampe in folgendem Hartplastikkoffer:

Darin findet man:

(Normalerweise ist das Zubehör ordentlicher verstaut. Ich habe schon ganz schön drin herumgefühlt, und nicht alles wieder ordentlich verpackt.)

  • Die eigentliche Lampe samt Akku-Block
  • Das Ladegerät für die Steckdose (mit verschiedenen Aufsatz-Steckern für die Steckdosen aller möglichen Länder)
  • Eine Bedienungsanleitung
  • Ein Nylon-Schultergurt

Die Lampe ist mit folgenden Leistungsdaten spezifiziert:

  • Helligkeit: 3200 ANSI-Lumen
  • Verwendete LED: CREE XHP 70
  • Reichweite (nach ANSI): 470 Meter (dies entspricht einer Leuchtdichte von 55.200cd)
  • Wasserdicht: IPX7, bis zu einer Tiefe von 1 Meter
  • LiIO-Akkupack mit einer angegebenen Kapazität von 10400mAh
  • Gewicht inkl. Akkublock: 676 Gramm
  • Maße: 196mm (Länge), 52mm (Durchmesser Akkurohr), 85mm (Durchmesser Lampenkopf)

Bezüglich der Kapazitätsangabe des Akkupacks muss ich leider gleich mal den Krümelsucher spielen:

In dem Akkupack befinden sich vier LiIO-Rundzellen mit einer Maximalspannung von jeweils 4,2V und einer Kapazität von jeweils 2600mAh. Solche Akkus kann man entweder seriell (hintereinander) verschalten; dies erhöht die Spannung. Oder man verschaltet die Akkus parallel zueinander; so bleibt die Gesamtspannung des Akkublocks gleich, aber die Laufzeit (Kapazität) erhöht sich.

Bei der Saint Torch 10 sind die Akkus seriell verschaltet. Der Akkublock hat eine Maximalspannung von 16,8V (auch das mitgelieferte Ladegerät liefert diese Spannung). Dies bedeutet aber, dass die Kapazität gleich bleibt. Folgerichtig müsste die Kapazität also mit 2600mAh angegeben werden.

„2600mAh“ klingt natürlich nach nichts, und ist im Grunde (ohne die Angabe der Spannung) auch wenig aussagekräftig. Um dieses „Dilemma“ zu vermeiden, könnte man statt der Kapazität den Energieinhalt (in Wattstunden) angeben. So macht es beispielsweise LED Lenser bei deren Lampen.

Zur Berechnung des Energieinhalts zieht man normalerweise die Nennspannung von LiIO-Akkus heran. Diese beträgt 3,7V (LiIO-Akkus sind mit 4,2V voll, und (je nach exaktem Typ) mit 2,5-3,0V leer). Diese Nennspannung multipliziert man mit der Kapazität der einzelnen Zelle, und multipliziert dieses dann mit der Anzahl Zellen in dem Verbund. Bei der Saint Torch wäre das also 3,7(V) * 2,6(Ah) * 4.

Den Akkupack der Saint Torch 10 könnte man also mit einem Energieinhalt von 38,5 Wattstunden (aufgerundet) angeben, und statt dessen die Kapazitätsangabe weglassen; so wären alle zufrieden.

Nun, zurück zur Lampe.

Die Lampe weist eine Fertigungsqualität, ein Design und ein Oberflächenfinish auf, dass man die Lampe abschlecken möchte, wenn man sie das erste mal in der Hand hält. Die Lampe, das sage ich jetzt mal ganz unwissenschaftlich, ist ein echt edles und schickes Teil, und ein echter Hinkucker:

Auffällig ist vor allem der Reflektor, den ich so noch nie bei einer anderen Lampe gesehen habe:

Diese Reflektor-Struktur sorgt für einen butterweichen Übergang von Spot zu Spill im Lichtbild, und vermeidet eine „Donut-Hole“-Bildung im Spot.

(Aufgrund der viergeteilten Struktur der verwendeten CREE XHP 70 LED neigen Lampen, die diese LED verwenden, gerne zu einem Donut Hole im Lichtbild. So bezeichnet man einen dunkleren, runden Bereich innerhalb des eigentlichen Spots der Lampe. Die Saint Torch 10 ist komplett frei von diesem Phänomen.)

Natürlich geht dieses Reflektordesign etwas auf die Reichweite des Lichtstrahls der Lampe. Es gibt Lampen mit dieser LED und in dieser Baugröße, die eine höhere Reichweite haben, weil sie das Licht mit ihrem glatten Reflektor stärker bündeln. Dafür ist bei solchen Lampen dann der Spot (die hellste Stelle im Zentrum des Lichtbilds) stärker abgegrenzt vom Spill (den Spot umgebendem Licht). Die Saint Torch 10 ist also kein „Reichweiten-Monster“. Dafür hat sie im Nah- und mittleren Entfernungsbereich eine butterweiche Ausleuchtung.

Ein weiterer Punkt, der das Licht der Saint Torch 10 so angenehm macht, ist die Lichtfarbe: diese geht fast schon als „Neutralweiß“ durch. Sie liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen den üblichen kaltweißen Lampen wie der Acebeam K60 auf der einen Seite, und den neutral-/warmweißen Lampen wie beispielsweise einer Convoy L6 in NW auf der anderen Seite. Eine Convoy L6 in NW ist mir beispielsweise bereits zu „gelb“:

Von links nach rechts: Acebeam K60, Nextorch Saint Torch 10, Convoy L6 in Neutralweiß.

Hier noch ein paar Bilder der Lampe, bevor ich auf die Bedienung eingehe:

Das Heck der Lampe, mit einer seitlichen Öse für den Nylon-Schultergurt:

Die Lampe beherrscht perfekt den „Tail Stand“: man kann sie, wie eine Kerze, mit dem Licht nach oben auf den Tisch stellen, und so den Raum erhellen:

Einziges Bedienelement ist der Schalter in der Nähe des Lampenkopfes:

Schaltet man die Lampe ein, geben vier blaue LEDs unterhalb dieses Schalters Auskunft über die verbleibende Akku-Kapazität:

Diese Anzeige kann fünf verschiedene Zustände annehmen: 4, 3, 2, sowie 1 dauerhaft leuchtende blaue LED, sowie nur eine LED im Blinkmodus. Leuchten alle 4 LEDs, ist der Akku randvoll. Fängt hingegen die letzte verbleibende leuchtende LED an zu blinken, wird es höchste Zeit, den Akku wieder aufzuladen.

Zusätzlich zu der Funktion des Ein- und Ausschaltens schaltet man mit dem Schalter durch die verschiedenen Helligkeitsstufen. Diese sind wie folgt:

  • 3200 Lumen, für 3 Stunden und 20 Minuten (*)
  • 1650 Lumen, für 5 Stunden und 10 Minuten
  • 460 Lumen, für 18 Stunden, sowie
  • 65 Lumen, für 120 Stunden.

(*) Wie man meinen Laufzeitmessungen entnehmen kann, verfügt die Saint Torch 10 über eine Temperatursteuerung: wird die Lampe zu heiß, drosselt sie die Leistung, um Beschädigungen durch Überhitzung zu vermeiden. Bei der Laufzeitangabe von 3 Stunden und 20 Minuten im Turbo-Modus ist dieses Herabregeln bereits „eingerechnet“ (drosselt die Lampe die Leistung, hält der Akkupack natürlich länger durch). Diese angegebenen 3 Stunden und 20 Minuten hält die Lampe nur durch, wenn sie die Leistung hitzebedingt reduzieren muss. Betreibt man die Lampe draußen in einer kalten Winternacht, kann der Lampe im Turbo-Modus auch bereits nach 1 Stunde und 10 Minuten der Saft ausgehen, wenn die Lampe durch die Kälte ausreichend gekühlt wird, und nicht abregeln muss.

 

Der Ein-/Aus-Schalter der Lampe beinhaltet übrigens ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, welches ich bisher noch bei keinem anderen Hersteller gefunden habe:

Es handelt sich hier um einen sog. „Clicky“; also einem mechanischen Schalter (im Gegensatz zu elektronischen Tastern). Solche Clickys gibt es üblicherweise in zwei Varianten: Forward Clickys, und Reverse Clickys. Bei Forward Clickys wird der elektrische Kontakt bereits während des Reindrückens (also noch bevor der Schalter mit einem „Klick“ einrastet) hergestellt, und die Lampe leuchtet. Bei Reverse Clickys wird der Stromkontakt erst nach dem Einrasten hergestellt.

Beim Ausschalten ist es dann genau umgekehrt: schaltet man eine Lampe mit einem Forward Clicky aus, „Klickt“ es zuerst, und erst wenn man den Schalter ganz losgelassen hat, geht das Licht aus. Bei einem Reverse Clicky geht das Licht bereits dann aus, wenn man den Schalter anfängt zu drücken (also noch vor dem „Klick“).

Beide Systeme haben ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile: mit einem Forward Clicky hat man beispielsweise „Momentlicht“ (man hat Licht, wenn man den Schalter nur ganz leicht gedrückt hält, und wenn man den Schalter wieder los lässt ohne dass er einrastet, geht die Lampe mit dem Loslassen sofort wieder aus), und man kann auch Morsen (Lichtsignale geben). Mit einem Reverse Clicky geht das nicht, da man den Schalter ja vollständig einrasten lassen muss, bevor das Licht angeht.

Mit einem Reverse Clicky kann man jedoch im eingeschalteten Zustand der Lampe die Helligkeitsstufen durch Antippen des Schalters durchschalten (da ja beim Antippen bereits der Stromkontakt unterbrochen wird, und die Lampe kurze Unterbrechungen als Anweisung zum Umschalten der Helligkeitsstufe interpretieren kann). Bei einem Forward Clicky kann man üblicherweise die Helligkeit nur vor dem eigentlichen Einschalten (durch mehrfaches Antippen vor dem kompletten Durchdrücken) wählen.

Nun, der Schalter der Saint Torch 10 vereint die Vorteile beide Welten: es ist sowohl ein Forward, als auch ein Reverse Clicky! Der Stromkontakt wird bereits beim leichten Eindrücken des Schalters hergestellt, und beim Ausschalten wird bereits beim leichten Eindrücken der Stromkreis wieder getrennt. So hat man den Vorteil des Momentlichts und der Möglichkeit des Morsens, aber man kann auch im vollständig eingeschalteten Zustand der Lampe durch leichtes Antippen die Helligkeitsstufen durchschalten.

Dieses Verfahren habe ich, wie gesagt, bisher bei keinem anderen Lampenhersteller angetroffen. Nextorch verwendet dieses Schalterprinzip jedoch auch noch bei anderen Lampen; z.B. der Nextorch TA40.

Die Saint Torch 10 schaltet sich immer in der höchsten Helligkeitsstufe mit 3200 Lumen ein (die Lampe hat kein „Mode Memory“; sie merkt sich also nicht, in welcher Helligkeitsstufe sie bei der letzten Benutzung ausgeschaltet wurde). Durch Antippen des Schalters schaltet die Lampe mit jedem Antipper auf die nächstniedrigere Helligkeit um: zuerst auf 1650 Lumen, dann auf 460 Lumen, dann auf 65 Lumen.

Nicht so ganz günstig empfinde ich, dass nach der 65 Lumen-Stufe auch die Sondermodi wie Strobe und SOS in der normalen Schaltreihenfolge liegen. Diese Sondermodi hätte ich gerne etwas „versteckter“ gesehen (z.B. durch Doppelklicken). Befinde ich mich in der 65 Lumen-Stufe, und möchte wieder zu Turbo zurück wechseln, schalte ich die Lampe daher einfach kurz aus, und gleich wieder an. So lande ich in der Turbo-Stufe, ohne dass ich das (für mich störende) Strobe und SOS aktiviert habe.

Die einzelnen Helligkeitsstufen finde ich ansonsten sehr gut abgestuft. Lediglich eine „Super Low“-Stufe (mit 5 Lumen oder so) hätte ich mir noch gewünscht.

 

Nach dem Leuchten erfolgt irgendwann auch wieder das Aufladen des Akkus. Die Anschlussbuchse hierfür verbirgt sich gut geschützt unter einem gut gefetteten und satt und sauber kratzfrei laufendem Gewinde am Lampenkopf:

Hier schließt man den Ladestecker an:

Das Netzteil hat eine Spannung von 16,8V und liefert einen Strom von 1A. Bei komplett leeren Akkus dauert es ca. 3 Stunden, bis die Lampe wieder komplett aufgeladen ist.

Manch einer würde sich wahrscheinlich statt des Hohlsteckers eine Standard-USB-Buchse wünschen. Nun, das ist hier leider technisch nicht möglich. USB-Stecker haben eine Spannung von 5V, und mit 5V kann man keinen 16,8V-Akku laden (die Spannung zum Laden muss gleich hoch oder minimal höher sein als die Maximalspannung des Akkublocks; ansonsten könnte ja kein Strom in den Akkublock fließen).

Hier sehen wir den Akkublock komplett vom Lampenkopf losgeschraubt:

Den Akkublock kann man bei Nextorch auch als Ersatzteil einzeln nachkaufen. So kann man sich z.B. einen oder mehrere Ersatz-Akkus für längere Leuchteinsätze anschaffen.

 

Die Lampe liegt sehr gut in der Hand, und ist vortrefflich ausbalanciert.

Der seitliche Schalter hebt sich ausreichend vom Akkurohr ab, so dass man den Schalter auch mit Handschuhen sicher ertasten kann.

Zum Schluss möchte ich die Saint Torch 10 noch mit anderen, ähnlichen Lampen mit XHP 70 LEDs vergleichen:

Dies sind von links nach rechts: Acebeam K60, Nextorch Saint Torch 10, HaikeLite MT07, sowie die Convoy L6. Diese Lampen werde ich später auch noch in Form von Beamshots miteinander vergleichen.

Die Saint Torch 10 ist vom Lampenkopf her etwas „zierlicher“ als die K60 und die MT07. Dies (und der speziell strukturierte Reflektor der Saint Torch 10) sorgen dafür, dass die anderen beiden genannten Lampen eine etwas höhere Reichweite haben. Zudem sind die anderen beiden Lampen mit 5000 Lumen angegeben; die Saint Torch 10 schafft es „lediglich“ auf 3200 Lumen. (Die anderen beiden sind auch tatsächlich im Direktvergleich etwas heller.)

Ich denke, die Saint Torch 10 muss man jedoch als Gesamtpaket betrachten; als ein „alles dabei und rundum glücklich“-Paket. Akkublock und Ladegerät sind hier bereits dabei (bei den anderen Lampen muss man zusätzlich noch die Akkus beschaffen, sowie ein externes, passendes Ladegerät für die Akkus erwerben). Zudem hat die Saint Torch 10 ein sehr angenehmes Lichtbild; bedingt durch die Lichtfarbe und den einzigartigen Reflektor.

Fazit:

Positiv:

  • Sehr schönes Lichtbild und Lichtfarbe; akzeptable Lichtleistung
  • Sehr wertige, robuste, zuverlässige und dazu noch optisch ansprechende Lampe
  • Rundum-Paket mit Akku und Ladegerät
  • Einzigartige Bedienung mit kombiniertem Forward-/Reverse-Clicky und gut abgestimmten Helligkeitsstufen
  • Hersteller Nextorch in Deutschland mit eigener Niederlassung vertreten

Neutral:

  • Höherer Preis. Dies relativiert sich jedoch, wenn man bedenkt, dass man bei den anderen Lampen zusätzlich zum Kaufpreis der Lampe auch noch Akkus und Ladegerät dazukaufen muss.

Negativ:

  • Lichtleistung liegt mittlerweile etwas hinter dem Wettbewerb (Acebeam K60 und HaikeLite MT07 sind beide mit 5000 Lumen angegeben)
  • Temperatursteuerung reagiert etwas „sprunghaft“, wie man in meinen Laufzeitmessungen ersehen kann. Hier könnte am Regelverhalten noch etwas nachgebessert werden.

Weiterführende Links:

Beamshots: https://www.lilahand.de/2017/03/29/beamshots-nextorch-saint-torch-10-vs-acebeam-k60-vs-haikelite-mt07-vs-convoy-l6-nw/

Laufzeitdiagramme: https://www.lilahand.de/2017/03/22/laufzeitdiagramm-nextorch-saint-torch-10/

2 Gedanken zu „Review Nextorch Saint Torch 10

  1. Uwe Dewald 29. März 2017 at 1:26

    Hallo Markus,

    wir kennen uns vom Taschenlampen Forum. Mein Alias ist dort uwe-d.
    Dein Blog gefällt mir sehr gut. Wie von Dir gewohnt, machst Du super Reviews und geile Bilder. Da macht es richtig Spaß die Reviews zu lesen. Ich kann Deine Entscheidung einen eigenen Blog zu machen sehr gut nachvollziehen. Ich hätte noch einen kleinen Verbesserungsvorschlag für Deine Reviews. Es wäre schön, wenn Du noch die Maße der Lampen dazuschreiben könntest. So hat man eine bessere Vorstellung von der Lampe, und muß nicht zu der Hersteller Seite wechseln.
    Ich freue mich schon auf Die nächsten Reviews und Beamshot- Vergleiche von Dir.

    Viele Grüße aus Spanien

    Uwe Dewald

    • Markus 29. März 2017 at 8:30

      Hallo Uwe,

      vielen Dank für dein positives Feedback und deinen Verbesserungsvorschlag. Diesen werde ich in Zukunft berücksichtigen. Auch dieses Review hier habe ich bereits mit den Maßen aktualisiert.

      Viele Grüße,
      Markus

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